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Über die ÜLU

Die Überbetriebliche Lehrlingsunterweisung (auch liebevoll ÜLU genannt) ist Teil der Berufsausbildung im Handwerk. Sie ergänzt die praktischen Ausbildung im Betrieb und die theoretischen Ausbildung in der Berufsschule um jenen Praxisanteil, den viele kleine und oft spezialisierte Handwerksbetriebe nicht vermitteln können.

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Ansprechpartner

Katrin Heymann

Sekretärin, Geschäftsführung

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Abteilungsleiter Finanzen

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Warum braucht das Handwerk die ÜLU?

Das duale Ausbildungssystem fußt auf zwei Säulen: die praktische Ausbildung im Betrieb und die theoretisch Ausbildung in der Berufsschule. Im Handwerk kommt noch die ÜLU dazu. Sie vermittelt handwerkliches Praxiswissen und ist damit unverzichtbar für das deutsche Handwerk und die Volkswirtschaft als Ganzes. Aber warum braucht das Handwerk die ÜLU?

Einheitliches Ausbildungsniveau

Die Berufsausbildung in Deutschland erfolgt nach einem einheitlichen Ausbildungssystem: Ausbildungsordnung und Ausbildungsrahmenplan garantieren, dass jeder Lehrling die gleiche Grundausbildung erhält und nach Abschluss seiner Ausbildung über das gleiche Wissen verfügt. Die ÜLU garantiert genau das auch für die praktische Ausbildung: Sie stellt sicher, dass alle Lehrlinge nach ihrem Abschluss auch über dasselbe Praxiswissen verfügen.

Kernelement sind hierfür die Unterweisungspläne des Heinz-Piest-Instituts für Handwerkstechnik (HPI). Sie legen bundesweit das breitgefächerte ÜLU-Kursangebot für die verschiedenen Gewerke sowie die jeweilige Kursdauer fest. Alle Inhalte unterliegen einer kontinuierlichen Überprüfung und Überarbeitung. Die Unterweisungspläne werden um die Ausbildungsvorschrift für die ÜLU ergänzt, die wiederum von der Vollversammlung der einzelnen Kammern beschlossen wird. In den Anlagen zur Ausbildungsvorschrift stehen unter anderem Informationen darüber, bei welchen Lehrgängen es sich um Pflichtlehrgänge handelt.

Durch die einheitliche theoretische und praktische Ausbildung wird die Qualität des Berufsnachwuchses gesichert. Außerdem können Gesellen – unabhängig davon, in welchem Bundesland oder Betrieb sie ausgebildet wurden – überall in Deutschland in ihrem Ausbildungsberuf eingesetzt werden. Die ÜLU ergänzt und sichert damit das einheitlich hohe Ausbildungsniveau im ganzen Bundesgebiet.

Immer anspruchsvoller werdende Handwerksberufe

Handwerksberufe werden immer anspruchsvoller, denn eine lebendige und dynamische Arbeitswelt bringt unweigerlich Veränderungen mit sich: Neue Berufsbilder entstehen, bestehende Ausbildungsordnungen werden reformiert und modernisiert. Naturgemäß entwickeln sich einige Berufe rasanter weiter, wie beispielsweise die Elektrotechnik. Die Anpassung der Berufsbilder stellt auch Betriebe vor große Herausforderungen: Denn oft verlangen die modernisierten Berufsbilder nach einem breiteren Spektrum an zu vermittelnden Kenntnissen. Die ÜLU unterstützt Betriebe dabei, den enormen Anforderungen einer handwerklichen Ausbildung gerecht zu werden.

Viele Handwerksbetriebe sind hochspezialisiert

Die praktische Ausbildung wird in den Handwerksbetrieben hervorragend durchgeführt. Allerdings haben sich viele Handwerksbetriebe spezialisiert, da die Anforderungen in den einzelnen Berufen ständig wachsen. Betriebe müssen ihren Nachwuchskräften daher vor allem das spezielle Knowhow vermitteln, das für ihren eigenen Betriebsalltag erforderlich ist. Nicht immer bleibt neben der Spezialisierung ausreichend Zeit, alle Kenntnisse und Fähigkeiten eines Berufsbildes in der vollen Breite und Tiefe zu vermitteln. Diese Lücke schließt die ÜLU: Als Teil der fachpraktischen Ausbildung ergänzt sie die Lehre im Betrieb, garantiert zum Beispiel auch eine produktneutrale Vertiefung und entlastet dadurch Handwerksbetriebe bei der Vermittlung der klassischen Basics. Innerbetriebliche Spezialisierungen werden einfach ausgeglichen. Damit stellt die ÜLU eine breite und einheitliche Grundausbildung sicher, die sich den technischen und ökonomischen Veränderungen anpasst.

Technologischer Fortschritt

Technischer Fortschritt, technologische Neuheiten und die Weiterentwicklung der EDV führen zu einer Flut neuer Informationen, die den Lernstoff für Auszubildende wesentlich verändern. Die ÜLU vermittelt diese technologischen Neuerungen. In kleinen Gruppen vertiefen die Auszubildenden grundlegende Fertigkeiten ihres Berufs und lernen darüber hinaus modernste Maschinen und Technologien kennen. Damit stellt die ÜLU die ganzheitliche Erstausbildung des Nachwuchses auf dem neuesten Stand der Technik sicher. Sie unterstützt insofern auch wichtige politische Ziele wie die Vorbereitung auf die „digitale Revolution“, Klimaschutz, Energieeinsparung und Elektromobilität. Damit stärkt die ÜLU die Wettbewerbs- und Leistungsfähigkeit der Handwerksbetriebe in besonderem Maße.

Ein Plus für beide Seiten

Was die ÜLU Betrieben bringt

Wenn Azubis nicht nur im Betrieb lernen, sondern auch in den Werkstätten der Berufsbildungsstätten, profitieren davon nicht nur die Lehrlinge selbst, sondern auch ihre Ausbildungsbetriebe und Ausbilder:

  • Sie können Ihre Tagesgeschäfte optimal abwickeln, während wir zeitintensive Ausbildungsinhalte vermitteln.
  • Die gezielte und systematische Unterweisung entlastet Ausbilder im Betrieb und reduziert Personalkosten.
  • Sie brauchen sich nicht um alle in der Ausbildungsordnung festgeschriebenen Inhalte kümmern, denn wir unterrichten auch die Fertigkeiten, die in Ihrem Betrieb nicht täglich gefragt sind.
  • Die Inhalte sind praxisorientiert und mit Ihren Fachverbänden erarbeitet: Grund- und wichtige Spezialfertigkeiten können unmittelbar nach Lehrgangsbesuch im betrieblichen Prozess eingesetzt werden.
  • Der Einsatzbereich Ihres Lehrlings vergrößert sich – das rechnet sich auch für Sie.
  • Sie erhalten eine Rückmeldung, die zum Beispiel Rückschlüsse auf Fertigkeiten, Arbeitshaltung und Sozialverhalten Ihres Lehrlings zulässt.
  • Die Lehrgänge sind kostengünstiger, weil das Lehrgangsangebot öffentlich gefördert ist.

 

Wie Azubis von der ÜLU profitieren

Die Vorteile der ÜLU liegen klar auf der Hand: Lehrlinge erhalten eine breitgefächerte praktische Ausbildung, die sie vielseitig einsetzbar macht.

  • Du vertiefst praktische Grundlagen für deinen Beruf.
  • Aufgaben, die im Betriebsalltag schon bald gelingen müssen, kannst du bei uns intensiv üben.
  • Du kannst dir Fertigkeiten selbst erarbeiten, wofür im Betrieb oft Zeit und Raum fehlen.
  • Du kannst bei uns neue Technologien, Geräte, Maschinen und Arbeitstechniken kennenlernen und ausprobieren.
  • Der fachliche Austausch mit anderen Lehrlingen bringt zusätzliche Impulse: Projektarbeit im Team macht Spaß.
  • Simulierte Kundenaufträge sind spannend und üben für den echten Einsatz – ohne Folgen, wenn mal etwas nicht so perfekt läuft.
  • Durch die ÜLU ist der Praxisanteil deiner Ausbildung besonders hoch.
  • Unsere Lehrgänge sind für dich die ideale Prüfungsvorbereitung.
  • Egal ob du in einem großen oder keinen Betrieb oder in einer bestimmten Region ausgebildet wurdest – durch die ÜLU erhältst du die gleiche hohe Qualifikation wie deine Ausbildungskollegen.

Zahlen zur ÜLU im Kammerbezirk (2019)

  • Lehrgänge: 2.420   
  • Kursteilnehmer*: 26.295   
  • Teilnehmerstunden: 1.268.563   
  • Lehrgangsstunden: 116.513
  • Durchschnittliche Teilnehmer je Lehrgang: 10,9 

*Eine Person kann mehrmals als Teilnehmer auftauchen. Es wird jedes Mal ein neuer Teilnehmer erfasst, sobald ein weiterer Kurs besucht wird.

So wird die ÜLU gefördert

Die Ausbildung in den Berufsbildungsstätten verursacht natürlich auch Kosten. Da diese zusätzlichen Ausbildungskosten zumeist von den kleinen Ausbildungsbetrieben im Handwerk nicht alleine getragen werden können, gibt es Zuschüsse von Bund und Ländern sowie aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF). Aus Landes- und ESF-Mitteln werden Grund- und Fachstufenlehrgänge, aus Bundesmitteln nur Fachstufenlehrgänge gefördert. Bund und Länder übernehmen jeweils bis zu einem Drittel der Gesamtkosten, unterstützt vom ESF.

Die Zuschüsse kommen aus dem Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie und dem Ministeriums für Wirtschaft, Verkehr, Arbeit, Technologie und Tourismus des Landes Schleswig-Holstein(*). Der als Lehrgangsgebühr zu zahlende Eigenanteil der Ausbildungsbetriebe wird dadurch reduziert. Auch aus dem Haushalt der Kammer fließen regelmäßig finanzielle Mittel in die Ausstattung der Werkstätten und Schulungsräume. Spenden von Sponsoren tun ein Weiteres, um einen modernen technischen Standard zu garantieren.

*Die Förderung aus Mitteln des Landes Schleswig-Holstein und des ESF gilt grundsätzlich nur für Teilnehmer aus schleswig-holsteinischen Handwerksbetrieben. Teilnehmer aus den Bundesländern Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Berlin, Niedersachsen und Sachsen-Anhalt werden aus Fördermitteln ihrer Bundesländer bezuschusst. Lehrlinge aus Regiebetrieben (eine Betriebsform für öffentliche Betriebe und Verwaltungen von Gebietskörperschaften) können weder aus Bundes- noch aus Landesmitteln gefördert werden.

Forderungen an die Politik

Um der oft betonten Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung Gestalt zu geben, müssen die Ausbildungsanstrengungen der Betriebe nachhaltiger unterstützt und gefördert werden – zumal die akademische Ausbildung fast gänzlich von der Gesellschaft getragen wird. Ziel muss es sein, die Attraktivität der beruflichen Bildung ebenso zu fördern. Denn die berufliche Ausbildung legt den Grundstein für den Erfolg der deutschen Volkswirtschaft im weltweiten Wettbewerb. Als Teil der beruflichen Ausbildung im Handwerk ist die Überbetriebliche Lehrlingsunterweisung durch ihren Praxisbezug systemrelevant und verdient mehr Wertschätzung, auch finanziell.

Obwohl Bund und Länder bis zu jeweils einem Drittel der ÜLU-Gesamtkosten übernehmen könnten, sind die tatsächlichen Finanzierungsanteile in den letzten Jahren jedoch kontinuierlich gesunken. Die ÜLU ist strukturell unterfinanziert. Um den Stellenwert der dualen Ausbildung zu stärken und die Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung auch zu leben, müssen die handwerklichen Ausbildungsbetriebe nachhaltig von den Kosten der Ausbildung entlastet werden. Bund und Länder müssen ihre Möglichkeiten ausschöpfen und sich bis zu einem Drittel an den Ist-Kosten der ÜLU beteiligen.

Neben der dafür notwendigen Aufstockung der ÜLU-Zuschüsse ist eine regelmäßige Anpassung an die Kostenentwicklung bei Personal, Material und Gemeinkosten erforderlich. Ferner müssen auch die Zuschüsse für die auswärtige Unterbringung von Lehrlingen spürbar erhöht und ausreichend Wohnkapazitäten geschaffen sowie den Auszubildenden Azubi-Tickets kostenfrei zur Verfügung gestellt werden, um zu den Standorten der Bildungszentren und der Berufsschule zu gelangen. Aktuell und in der Zukunft muss alles vermieden werden, was ausbildende Betriebe über Gebühr belastet.