Logo der Handwerkskammer Lübeck

Foto: Syda Productions/stock.adobe.com

Verhaltensregeln im Betrieb

Während viele Beschäftigte inzwischen von Zuhause aus arbeiten, können Handwerker nicht einfach ins Homeoffice wechseln. Ein enger Kontakt zu Kunden lässt sich oft nicht vermeiden. Welche Schutzmaßnahmen es für Handwerker gibt, erfahren Sie hier. Außerdem: Wie verhalte ich mich bei Verdachtsfällen im Betrieb?

Ansprechpartner

Für Fragen stehen Ihnen unsere Mitarbeiter aus der Betriebsberatung, der Rechtsauskunft und unsere Ausbildungsberater zur Verfügung.

Ansprechpartner in der Coronakrise

Pflicht zur Bereitstellung von Testangeboten in Betrieben

Die Bundesregierung hat beschlossen, dass Arbeitgeber ihren Beschäftigten ab dem 20. April 2021 Schnelltests oder Selbsttests zur Verfügung stellen müssen. Die Handwerksorganisation hat die beschlossene Verpflichtung deutlich kritisiert. Sie belastet die Handwerksbetriebe zusätzlich in einer für sie ohnehin schwierigen Lage. Der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) konnte in Gesprächen mit der Bundesregierung jedoch Dokumentationspflichten der Arbeitgeber zur Testdurchführung und deren Ergebnissen vermeiden und eine Gleichwertigkeit auch von Selbsttests/Laientests bewirken. Nachfolgend haben wir die wichtigsten Bestimmungen zur Testpflicht zusammengestellt:

Pflicht zur Bereitstellung: Häufigkeit und Kosten

Arbeitgeber werden verpflichtet, in ihren Betrieben allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die nicht ausschließlich im Homeoffice arbeiten, mindestens zweimal pro Woche Selbst- und/oder Schnelltests anzubieten. Die Kosten dafür tragen die Arbeitgeber.

Hinweise zur Testdurchführung: Testart, Arbeitszeit und Dokumentation

  • Laut Begründung der geänderten Arbeitsschutzverordnung können von den Arbeitgebern „PCR-Tests, Antigen-Schnelltests zur professionellen Anwendung (in- oder außerhalb der Arbeitsstätte) oder zur Selbstanwendung angeboten werden“. Darüber hinaus wird ausgeführt, dass „das Angebot an die Beschäftigten zur Durchführung von Testungen durch Dritte die Beauftragung entsprechender Dienstleister miteinschließt“. Hierunter dürften auch die Nutzung von Teststrukturen Dritter, wie insbesondere kommunale oder private Testcenter, zu verstehen sein. Beide Möglichkeiten, den Beschäftigten Selbsttests/Laientests anzubieten als auch Teststrukturen Dritter nutzen zu können, dürften für die kleinen und mittleren Betriebe des Handwerks von besonderer praktischer Bedeutung sein.
  • Hinsichtlich der Frage, ob die Testungen innerhalb der vergütungspflichtigen Arbeitszeit der Beschäftigten durchzuführen sind, wird ausgeführt, dass diese Entscheidung im Rahmen betrieblicher Vereinbarungen zu treffen ist.
  • Gemäß der geänderten Arbeitsschutzverordnung sind „Nachweise über die Beschaffung von Tests nach Abs. 1 und Abs. 2 oder Vereinbarungen mit Dritten über die Testung der Beschäftigten vom Arbeitgeber bis zum 30. Juni 2021 aufzubewahren“. Weitere Dokumentationspflichten sind nicht vorgesehen.

Anbieter von Corona-Tests

Die Handwerkskammer Lübeck möchte ihre Betriebe bei der Beschaffung von Selbsttests unterstützen. Auf unserer Seite "Anbieter von Corona-Tests" finden Sie Anbieter, die uns gegenüber erklärt haben, kurzfristig Selbsttests ab einer Bestellmenge von 50 oder 100 Stück liefern zu können. Bitte setzen Sie sich direkt mit den Anbietern in Verbindung. Außerdem hält die Drogeriemarktkette Budnikowsky für Mitgliedsbetriebe der Handwerkskammer Lübeck ab sofort Test-Kits für Corona-Selbsttests zum Kauf vor. Weitere Infos hierzu finden Sie ebenfalls auf unserer Seite zu "Anbietern von Corona-Tests".

Sie können auch die von Teststationen angebotenen Schnelltests sowie die in Apotheken und Handel erhältliche Corona-Selbsttests nutzen. Auf der Internetseite der Landesregierung finden Sie eine Übersicht über Teststationen in Schleswig-Holstein.  Beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte finden Sie zudem eine Liste der aktuell zugelassenen Selbsttests.

Verdachtsfall im Betrieb

Was sollten Sie tun, wenn Sie in Ihrem Betrieb einen ernsthaften Verdacht auf eine COVID-19-Erkrankung haben oder es einen Verdachtsfall im Umfeld der Beschäftigten (zum Beispiel in der Familie) gibt?

Corona-Verdacht bei einem Mitarbeiter

Treten bei Mitarbeitern in Ihrem Betrieb Symptome einer Covid-19-Erkrankung auf, sollten Sie sich unmittelbar an Ihr zuständiges Gesundheitsamt wenden. Die Kontaktdaten können Sie über die  Datenbank des Robert Koch-Instituts abfragen. Das Gesundheitsamt ist dann sowohl für den Meldeweg als auch für die Verhängung weiterer Maßnahmen zuständig. Zudem informiert die Behörde Sie unter anderem darüber, wie Sie sich zu verhalten haben. Eine Broschüre von Berufsgenossenschaften und Unfallkassen nennt die richtigen Ansprechpartner und gibt Hinweise, wie auch in dieser Situation Sicherheit und Gesundheit im Betrieb bestmöglich gewahrt werden können. Das Robert Koch-Institut stellt eine Orientierungshilfe für Bürger zur Verfügung, die Schritt für Schritt erläutert, wie im Verdachtsfall vorzugehen ist.

Verdachtsfall im Umfeld eines Mitarbeiters

Wenn es einen Verdachtsfall im Umfeld der Beschäftigten (zum Beispiel in der Familie) gibt, kommt es für die weiteren Maßnahmen darauf an, in welche Kategorie die Kontaktperson fällt. Solange bei der Kontaktperson kein Testergebnis vorliegt, ist der Beschäftigte in der Regel nicht verpflichtet, sich in Quarantäne zu begeben – es sei denn das Gesundheitsamt hat dies angeordnet. Wenn sich der Verdacht bei der Kontaktperson durch einen positiven Test bestätigt und Ihr Beschäftigter engen Kontakt zu der Person hatte (Kontaktperson der Kategorie I), muss sich der Beschäftigte ohne Anordnung des Gesundheitsamtes umgehend in häusliche Quarantäne begeben. Der Beschäftigte sollte sich in jedem Fall nach Hause begeben oder anderweitig absondern und weitere Schritte telefonisch mit seinem Hausarzt oder dem zuständigen Gesundheitsamt absprechen.

Allgemeiner Corona-Arbeitsschutzstandard

Um das Infektionsrisiko für Beschäftigte zu senken und Neuinfektionen im betrieblichen Alltag zu verhindern, hat das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) einen allgemeinen SARS-CoV-2-Arbeitsschutzstandard bekanntgegeben. Im August 2020 wurden diese Standards weiter konkretisiert durch die SARS-CoV-2-Arbeitsschutzregel. In der SARS-CoV-2-Arbeitsschutzregel sind Maßnahmen beschrieben, die für den gesamten Zeitraum der epidemischen Lage von nationaler Tragweite weiterhin gelten und unabhängig von der SARS-CoV-2-Arbeitsschutzverordnung (vgl. unten) zu beachten sind. Die Arbeitsschutzregel gilt ausnahmslos für alle Wirtschaftsbereiche und kann bei neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen weiter angepasst werden.

Konkretisierende Maßnahmen nach der SARS-CoV-2-Arbeitsschutzregel, insbesondere:

  • die strikte Einhaltung des Mindestabstands von 1,50 Metern,
  • die Anbringung geeigneter Abtrennungen bei Unterschreitung des Mindestabstands,
  • Verwendung einer Mund-Nasen-Bedeckung bei Unterschreitung des Mindestabstands und fehlender Abtrennungen zwischen den Arbeitsplätzen,
  • die Minimierung betriebsbedingter Personenkontakte, Zugangsbeschränkungen,
  • der Einsatz geeigneter Telekommunikation für Besprechungen,
  • das regelmäßige, intensive und fachgerechte Lüften,
  • die Sicherstellung der Handhygiene sowie der Hust- und Niesetikette und
  • die umgehende Klärung von Verdachtsfällen auf eine SARS-CoV-2 Infektion.

Bei Einhaltung der SARS-CoV-2-Arbeitsschutzregel kann der Arbeitgeber davon ausgehen, dass die Anforderungen aus Verordnungen nach dem Arbeitsschutzgesetz erfüllt sind.

Wichtig: Seit 27. Januar: SARS-CoV-2-Arbeitsschutzverordnung zusätzlich zu beachten:

Seit 27. Januar vorerst befristet bis zum 15. März ist zusätzlich die neue SARS-CoV-2-Arbeitsschutzverordnung zu beachten. Die Arbeitsschutzverordnung und die Arbeitsschutzregel (vgl. oben) greifen ineinander und ergänzen sich. Während die SARS-CoV-2-Arbeitsschutzregel den Betrieben mehr Spielraum bei der Auswahl und Umsetzung der erforderlichen Maßnahmen lässt, werden durch die SARS-CoV-2-Arbeitsschutzverordnung folgende zeitlich befristete Maßnahmen als Beiträge zum Gesundheitsschutz aller Beschäftigten des betrieblichen Arbeitsschutzes unverzichtbar:

  • Arbeitgeber haben ihren Beschäftigten im Falle von Büroarbeit oder vergleichbaren Tätigkeiten anzubieten, diese Tätigkeiten in deren Wohnung auszuführen, wenn keine zwingenden betriebsbedingten Gründe entgegenstehen (Homeoffice).
  • Betriebsbedingte Zusammenkünfte mehrerer Personen sind auf das betriebsnotwendige Minimum zu reduzieren.
  • Müssen Räume von mehreren Personen gleichzeitig genutzt werden, müssen pro Person 10 m² zur Verfügung stehen.
  • In Betrieben ab 10 Beschäftigten müssen diese in möglichst kleine, feste Arbeitsgruppen eingeteilt.
  • Wenn Anforderungen an Räume oder Abstand aus bestimmten Gründen nicht eingehalten werden können, müssen Arbeitgeber ihren Beschäftigten medizinische Gesichtsmasken zur Verfügung stellen. Unter medizinischen Gesichtsmasken werden sogenannte OP-Masken und Masken der Standards FFP2, N95, P2, DS2 oder KN95 verstanden.

Weitere Infos

BMAS

Bundesregierung

Branchenspezifische Arbeitsschutzstandards

Da die notwendigen Maßnahmen je nach Handwerk verschieden sind, gibt es branchenspezifische Vorgaben, die den SARS-CoV-2 Arbeitsschutzstandard des Bundesarbeitsministeriums konkretisieren bzw. ergänzen. Die Berufsgenossenschaften erstellen solche branchenspezifischen Konkretisierungen und stellen diese auf den Internetseiten der jeweiligen Berufsgenossenschaft zur Verfügung. Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung hat eine Übersicht der Informationsangebote und Konkretisierungen aller Berufsgenossenschaften zum betrieblichen Infektionsschutz vor SARS-CoV-2 veröffentlicht.

Nahrungsmittelhandwerk: Handlungshilfen

Die Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel und Gastgewerbe (BGN) hat umfangreiche Handlungshilfen für die Betriebe im Nahrungsmittelhandwerk zur Verfügung gestellt.

Schutzmaßnahmen im Kundendienst

Für Handwerker im Kundendienst empfiehlt die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) die Einhaltung bestimmter Schutzmaßnahmen.

Weitere Infos

DGUV

Schutz vor Ansteckung auf Baustellen

Auf Baustellen arbeiten häufig viele Beschäftigte unterschiedlicher Unternehmen und Gewerke eng zusammen. Das birgt ein erhöhtes Risiko für gegenseitige Ansteckung mit dem Corona-Virus. Sowohl Bauherrn als auch Arbeitgeber sind verpflichtet, Maßnahmen der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes der Beschäftigten auf Baustellen zu treffen. Die Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft informiert auf ihren Internetseiten für den Bereich Bauleistungen und baunahe Dienstleistungen.

Das Gesundheitsministerium Schleswig-Holstein hat über eine Reihe an (Sofort-) Maßnahmen informiert, um das Infektionsrisiko auf Baustellen zu verringern.

Plakate zum Ausdrucken

Abstandhalten ist momentan eine der wichtigsten Regeln, Mundschutz ist in einigen öffentlichen Bereichen Pflicht. Nutzen Sie gerne die Plakate im Stil der Imagekampagne, um Ihre Kunden daran zu erinnern. Die Plakate können Sie auf handelsüblichen Druckern ausdrucken und in Bereichen mit Publikumsverkehr aushängen.