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Handwerkskonjunktur: Inflation sorgt für verhaltene Stimmung

Lübeck/Flensburg, 12. April 2023 – Die konjunkturelle Stimmung im schleswig-holsteinischen Handwerk ist derzeit relativ verhalten. Bei besonders energieintensiven Betrieben bleibt die Lage weiter angespannt.

Foto: www.amh-online.de

Nach dem von sehr hoher Unsicherheit geprägten Jahr 2022 haben sich die Zukunftserwartungen im Gesamthandwerk allerdings etwas stabilisiert.

In der aktuellen Konjunkturumfrage der Handwerkskammern Flensburg und Lübeck für den Zeitraum Januar bis März 2023 berichteten 50 Prozent der Handwerksbetriebe von einer guten, 40 Prozent von einer befriedigenden und 10 Prozent von einer schlechten Geschäftslage.

Die allgemeine Geschäftslage im Handwerk hat sich damit im ersten Quartal 2023 gegenüber dem Vorquartal leicht eingetrübt. „Im Baubereich ist eine saisonale Konjunkturabschwächung zu Jahresbeginn zwar nichts Ungewöhnliches, derzeit kommen aber weitere Effekte hinzu“, erklärt Ralf Stamer, Präsident der Handwerkskammer Schleswig-Holstein. „Die anhaltend hohe Inflation bremst inzwischen den Auftragseingang im Handwerk“, so Stamer. Steigende Einkaufspreise für Materialien und Vorprodukte betreffen alle Gewerbegruppen des Handwerks und die Bautätigkeit wird zusätzlich durch steigende Zinsen für Immobilienfinanzierungen belastet. Daher ist es unvermeidbar, dass sich die Leistungen des Handwerks für viele Kunden verteuern. Vor diesem Hintergrund berichtete im gesamten Handwerk jeder dritte Betrieb von gesunkenen Umsätzen und einer rückläufigen Auftragslage. Besonders problematisch war die Situation weiterhin bei den sehr energieintensiven Handwerksbetrieben, die überproportional unter dem seit Anfang 2022 stark gestiegenen Energiepreisniveau leiden.

„Ermutigend ist allerdings, dass die Investitionstätigkeit und vor allem die Beschäftigungssituation in den meisten Handwerksbetrieben weiter sehr stabil sind“, sagt Ralf Stamer. Dies zeigt, dass viele Betriebe sich auch in unsicheren Zeiten strategisch gut auf die Herausforderungen der Zukunft vorbereiten, ihr Fachpersonal halten und sich unter schwierigen Rahmenbedingungen fortlaufend um Fachkräftenachwuchs bemühen.


Erwartungen für die nächsten Monate


Für das zweite Quartal 2023 rechnen zwei Drittel der Handwerksbetriebe mit keiner Veränderung ihrer Geschäftslage. 22 Prozent erwarten eine Verschlechterung, 12 Prozent gehen von einer Verbesserung aus. Dementsprechend wird auch für Aufträge, Umsätze, Investitionen und Beschäftigungssituation ganz überwiegend mit einer gleichbleibenden Entwicklung gerechnet. Mit Blick auf die Verkaufspreise erwartet etwa die Hälfte der Betriebe für das zweite Quartal eine Abschwächung des Preisauftriebs, ein Drittel der Betriebe geht aber von weiter steigenden Preisen aus. „Für die künftige Handwerkskonjunktur ist eine wichtige Frage, ob es gelingt, die hohe Inflationsrate im weiteren Jahresverlauf einzudämmen“, betont Ralf Stamer. „Das ist eine zentrale Grundvoraussetzung dafür, dass Handwerksbetriebe und ihre Kunden wieder mehr Planungssicherheit haben“.


Die Ergebnisse aus den beiden Kammerbezirken


Im Kammerbezirk Flensburg (Kreise Schleswig-Flensburg, Nordfriesland, Rendsburg-Eckernförde und Dithmarschen sowie die kreisfreie Stadt Flensburg) sprachen insgesamt 51 Prozent von einem guten, 40 Prozent von einem befriedigenden und 9 Prozent von einem schlechten Quartal. Damit erreichte man vom Umfrageergebnis her das Niveau des Vorquartals.

So gut sich dieses Ergebnis auf den ersten Blick anhört, so schwingt bei den Werten der übrigen Kennzahlen unverändert große Unsicherheit mit. Wie schon im Vorquartal entwickelte sich die Beschäftigtenzahl leicht rückläufig. Ebenfalls mit leicht negativem Vorzeichen entwickelten sich der Auftragseingang (16 Prozent sprachen von mehr, 27 Prozent von weniger) und auch die Investitionen (16 Prozent investierten mehr, 26 Prozent weniger).

Die besten Quartalswerte erreichten im ersten Quartal das Ausbauhandwerk (Geschäftslage: 67 Prozent „gut“, 27 Prozent „befriedigend“, und 6 Prozent „schlecht“), das Bauhauptgewerbe (54, 42 und 4 Prozent) und die Handwerke für den gewerblichen Bedarf (47, 47 und 6 Prozent). Etwas verhaltener urteilten das Kraftfahrzeughandwerk (25, 58 und 17 Prozent), das besonders unter dem Thema Energiekosten leidende Nahrungsmittelhandwerk (0, 80 und 20 Prozent), die Gesundheitshandwerke (10, 60 und 30 Prozent) sowie das personenbezogene Dienstleistungshandwerk (38, 38 und 24 Prozent).

Im Kammerbezirk Lübeck (kreisfreie Städte Kiel, Lübeck und Neumünster sowie Kreise Herzogtum Lauenburg, Ostholstein, Pinneberg, Plön, Segeberg, Steinburg und Stormarn) meldeten für das erste Quartal 49 Prozent der Betriebe eine gute, 40 Prozent eine befriedigende und 11 Prozent eine schlechte Geschäftslage. Damit ergab sich eine leichte Abschwächung gegenüber dem Vorquartal.

Mehr als ein Drittel der Betriebe berichtete von sinkenden Umsätzen und einer rückläufigen Auftragslage. Mehr als die Hälfte musste infolge gestiegener Beschaffungspreise auch die Verkaufspreise anheben. Investitionen und Beschäftigung blieben im Durchschnitt aller Gewerbegruppen insgesamt stabil.

Beim Blick auf die einzelnen Gewerbegruppen kamen die besten Bewertungen aus dem Ausbauhandwerk (59 Prozent gut, 32 Prozent befriedigend, 9 Prozent schlecht). Von einer ebenfalls überwiegend guten Geschäftslage berichteten das Handwerk für den gewerblichen Bedarf (50 Prozent gut, 43 Prozent befriedigend und 7 Prozent schlecht) sowie das Bauhauptgewerbe (49, 42 und 9 Prozent). Verhaltener war die Stimmung im Kraftfahrzeughandwerk (44 Prozent gut, 39 Prozent befriedigend und 17 Prozent schlecht), im Gesundheitshandwerk (44, 33 und 23 Prozent) und insbesondere im personenbezogenen Dienstleistungshandwerk (31, 53 und 16 Prozent). Im besonders stark von den gestiegenen Energiekosten betroffenen Nahrungsmittelhandwerk war die Lageeinschätzung am negativsten (27 Prozent gut, 45 Prozent befriedigend, 28 Prozent schlecht).