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Handwerkskonjunktur: Noch zeigt sie sich stabil

Lübeck/Flensburg, 12. Oktober 2023 – Die aktuelle Umfrage zur Konjunktur im schleswig-holsteinischen Handwerk zeigt eine überwiegend solide Lage in den befragten Unternehmen.

Foto: www.amh-online.de

Für die Monate Juli, August und September 2023 meldeten 48 Prozent der Handwerksbetriebe eine gute, 41 Prozent eine befriedigende und elf Prozent eine schlechte Geschäftslage. Gegenüber dem Vorquartal bedeuten diese Werte eine geringfügige Verschlechterung der Stimmung, die fast alle Gewerbegruppen des Handwerks betrifft.

Dazu erklärt Ralf Stamer, Präsident der Handwerkskammer Schleswig-Holstein: „Noch können die meisten Handwerksbetriebe von guten Auftragspolstern zehren. Aber in den Gewerken spürt man eine schrittweise Verschlechterung des wirtschaftlichen Umfelds.“ So bremse die schwache Gesamtwirtschaft in Deutschland allmählich auch die Nachfrage nach Leistungen des Handwerks aus. Insbesondere im Baubereich würden sich die Alarmzeichen verdichten. „Für die Baukonjunktur sind nicht nur die hohen Materialkosten und Bauzinsen deutliche Belastungsfaktoren, sondern auch die teilweise immer noch unklaren politischen Rahmenbedingungen, beispielsweise bei der Förderkulisse für den Heizungstausch“, betont Stamer.

Gegenüber dem Vorquartal gab es daher auch mehr Handwerksbetriebe, die rückläufige Umsätze und sinkende Auftragsbestände meldeten. Auch bei den Investitionen zeigten sich viele Betriebe zurückhaltender.

Einfacher wird die Situation nicht, das untermauern die in der Konjunkturumfrage gemeldeten Erwartungen für die nächsten Monate. Für das vierte Quartal 2023 erwarten 13 Prozent der Handwerksbetriebe in Schleswig-Holstein eine Verbesserung ihrer Situation. 64 Prozent rechnen mit einer gleichbleibenden Geschäftsentwicklung und 23 Prozent mit einer eine Verschlechterung der Geschäftslage. Geprägt ist dieser Blick auf die nahe Zukunft von der schon länger anhaltenden gesamtwirtschaftlichen Unsicherheit. Dies zeigt sich auch bei den Erwartungen an die Entwicklung von Auftragsbeständen, Umsätzen und Investitionen. „Viele Betriebe bereiten sich auf schwierigere Zeiten vor“, sagt Ralf Stamer. „Das ist betriebswirtschaftlich auf jeden Fall sinnvoll – auch dann, wenn die Konjunktur sich besser entwickeln sollte, als es derzeit absehbar ist“.

Die Ergebnisse aus den beiden Kammerbezirken

Im Kammerbezirk Flensburg (Kreise Schleswig-Flensburg, Nordfriesland, Rendsburg-Eckernförde und Dithmarschen sowie die kreisfreie Stadt Flensburg) präsentierte sich die Handwerkskonjunktur trotz aller alarmierenden Begleitgeräusche noch solide. Von den befragten Betrieben sprachen 46 Prozent von einer guten Konjunktur, 47 Prozent von einer befriedigenden und 7 Prozent von einer schlechten. Damit lag das Ergebnis leicht unterhalb der Ergebnisse der beiden Vorquartale.

Die Probleme und Unsicherheiten, mit denen das Handwerk zu kämpfen hat und die Besorgnis erregende Entwicklung im Baubereich scheinen sich demnach erst zeitlich verzögert auf die Geschäftslage auszuwirken. Im Berichtsquartal registrierte das Gesamthandwerk im Bereich der Beschäftigtenzahl, beim Auftragseingang, dem Umsatz und der Investitionstätigkeit wie schon im zweiten Quartal des Jahres einen weiteren leichten Rückgang.

Am besten beurteilten die Betriebe der Ausbauhandwerke das dritte Quartal. Hier sprachen 57 Prozent von einer guten, 36 Prozent von einer befriedigenden und 7 Prozent von einer schlechten Geschäftslage. Ebenfalls recht überzeugend schnitt das Kraftfahrzeughandwerk ab (Geschäftslage: 56, 33 und 11 Prozent). Auch die Handwerke für den gewerblichen Bedarf (43, 50 und 7 Prozent), das Bauhandwerk (38, 57 und 5 Prozent) sowie das Nahrungsmittelhandwerk (33,67 und 0 Prozent) erreichten Werte mit positivem Vorzeichen. Etwas schlechter als der Durchschnitt urteilten die Gesundheitshandwerke (0, 83 und 17 Prozent) und das personenbezogene Dienstleistungsgewerbe (17, 50 und 33 Prozent).

Im Kammerbezirk Lübeck (kreisfreie Städte Kiel, Lübeck und Neumünster sowie Kreise Herzogtum Lauenburg, Ostholstein, Pinneberg, Plön, Segeberg, Steinburg und Stormarn) meldeten im dritten Quartal 50 Prozent der Betriebe eine gute, 36 Prozent eine befriedigende und 14 Prozent eine schlechte Geschäftslage. Die Stimmung hat sich damit gegenüber dem Vorquartal leicht eingetrübt und lag in etwa auf dem Niveau des ersten Quartals 2023.

Die graduelle Verschlechterung der Geschäftslageeinschätzungen spiegelte sich auch in gegenüber dem Vorquartal verstärkten Meldungen über rückläufige Umsätze und Auftragsbestände sowie Investitionen wider.

Bei Betrachtung der einzelnen Gewerbegruppen des Handwerks kamen die besten Bewertungen der Geschäftslage aus dem Ausbauhandwerk (66 Prozent gut, 24 Prozent befriedigend und 10 Prozent schlecht) sowie aus dem Kraftfahrzeughandwerk (53, 27 und 20 Prozent). In den meisten anderen Gewerbegruppen dominierten die Betriebe mit befriedigender Geschäftslage, so im Nahrungsmittelhandwerk (12 Prozent gut, 75 Prozent befriedigend, 13 Prozent schlecht), im personenbezogenen Dienstleistungshandwerk (40, 45 und 15 Prozent), im Handwerk für den gewerblichen Bedarf (41, 45 und 14 Prozent) und im Bauhauptgewerbe (41, 42 und 17 Prozent). In letzterem hat sich der Anteil der Betriebe mit guter Geschäftslage im Vergleich zum Vorquartal allerdings um 20 Prozentpunkte reduziert. Zu gleichen Teilen von einer guten, befriedigenden und schlechten Geschäftslage berichteten die Betriebe des Gesundheitshandwerks (33, 34 und 33 Prozent).