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Chefin oder Chef gesucht

Kiel/Lübeck, 4. Oktober 2018 – 5.400 Firmen im echten Norden stehen zur Übergabe an Buchholz appelliert vor allem an Frauen: „Nicht zögern, nicht zweifeln – machen!“

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KIEL/LÜBECK. In den kommenden fünf Jahren stehen in Schleswig-Holstein rund 5.400 Unternehmen zur Übergabe an. Rund 83.000 Beschäftigte im Land sind davon direkt betroffen. Dabei finden sich immer seltener „geborene“ Nachfolger in den heutigen Inhaber-Familien. Weiterer Trend einer Kammer-Umfrage, die Wirtschaftsminister Dr. Bernd Buchholz heute (4. Oktober) in Kiel gemeinsam mit der Präsidentin der IHK Schleswig-Holstein, Friederike C. Kühn, und dem Präsidenten der Handwerkskammer Schleswig-Holstein, Günther Stapelfeldt, vorstellte:  Das Beratungsangebot der Kammern für die Betroffenen wird immer intensiver nachgefragt. Buchholz appellierte vor diesem Hintergrund vor allem an Frauen, die Chance einer Unternehmensübernahme zu nutzen.

Wie Kühn und Stapelfeldt erläuterten, befragen die Kammern seit 1998 im Fünf-Jahres-Turnus Unternehmen zur Nachfolgesituation, deren Geschäftsführer oder Inhaber mindestens 55 Jahre alt sind. Die drei IHKs erhoben diesmal Daten von insgesamt 12.900 und die beiden Handwerkskammern von zusammen rund 8.000 Unternehmen. Rund 22 Prozent der Befragten gaben dabei an, die Beratungs-Angebote der IHKs zum Thema Nachfolge zu nutzen – fünf Jahre zuvor waren es nur sechs Prozent. Die Handwerkskammern erreichen sogar ein Wert von 35 Prozent (2013: 25 Prozent).

„Je länger ein Unternehmer oder eine Unternehmerin damit wartet, sich mit dem Thema Nachfolge auseinanderzusetzen, desto mehr ist der Fortbestand der Firma gefährdet“, sagte Handwerkskammer-Präsident Stapelfeldt. Mit zunehmendem Alter steige die Tendenz der Inhaber deutlich an, ihren Betrieb lieber zu schließen als zu übergeben. So plane aktuell ein Drittel der Inhaber, die über 75 Jahre alt, die Abwicklung ihrer Firmen. „Hinzu kommen noch diejenigen, die heute noch nicht wissen, ob sie ihr Unternehmen übergeben oder schließen wollen“, so Stapelfeldt.

Die Umfrage belegt weiter: Je kleiner das Unternehmen ist, umso weniger wird das Thema Nachfolge beachtet und vorbereitet. „Von den Betrieben mit mehr als 20 Beschäftigten gaben 71 Prozent an, dass sie Schritte zur Übergabe geplant hätten, bei den Firmen mit bis zu fünf Beschäftigten sind es dagegen nur 47 Prozent“, sagte IHK-Präsidentin Kühn. Dies erlaube aus ihrer Sicht zwei Schlussfolgerungen: Unternehmen mit mehr als zehn Mitarbeitern seien tendenziell leichter zu übergeben. Und Unternehmer mit mehr als zehn Mitarbeitern hätten ein sehr stark ausgeprägtes Verantwortungsbewusstsein für ihre Mitarbeiter und deren Familien.

Nach den Worten von Stapelfeldt werde der Übergabeprozess häufig durch finanzielle Probleme erschwert. Allein der mögliche Verkaufserlös reiche in vielen Fällen nicht aus, um den Ruhestand des Altinhabers zu finanzieren. So gaben viele Unternehmer an, mehrere Bausteine für die Altersvorsorge zu nutzen – unter anderem selbstgenutzte oder vermietete Immobilien. Etwa die Hälfte der Inhaber von Handwerksbetrieben zahle Pflichtbeiträge zur Rentenversicherung, nur ein Drittel leiste freiwillige Beiträge. Jeder neunte Unternehmer habe angegeben, gar keine Vorsorge getroffen zu haben. Von den befragten IHK-Mitgliedern haben sieben Prozent keine Vorsorge getroffen.

Laut IHK-Präsidentin Kühn würden die Befragten die Nachfolge-Problematik zwar grundsätzlich als dringend einstufen, doch fehlten in den meisten Fällen geeignete Nachfolge-Kandidaten: Während die Nachfolger vor fünf Jahren noch zu rund 60 Prozent aus den eigenen Familie kamen, sind es 2018 nur noch 40 Prozent. Ein Fünftel der Befragten gab an, dass möglichst ein bislang angestellter Mitarbeiter das Unternehmen fortführen solle. Rund 28 Prozent planen, das Unternehmen an eine betriebsfremde Person weiterzugeben und knapp 21 Prozent ziehen einen Verkauf an einen Mitbewerber in Betracht.

Wie eine Nachfolge gelingen kann, schilderte Jan Thomsen, der mit Unterstützung der Handwerkskammer das Heizungs,- Sanitär- und Klima Unternehmen Wolfgang Petersen in Preetz (Kreis Plön) übernommen hat. Mit seiner Idee, sich selbstständig zu machen, fand er durch Vermittlung der Kammer ein geeignetes Unternehmen, das zur Nachfolge anstand. „Entscheidend waren für mich die Unterstützung der Handwerkskammer und dass die Chemie zwischen Herrn Petersen und mir auf Anhieb stimmte“, sagte Thomsen.

Eine weiteres Erfolgs-Beispiel: Die Fortführung des Kieler Unternehmens Hygiene-Service-Schulz durch Janine Kordes. Sie übernahm 2014 das Unternehmen nach dem Tod ihres Vaters. „Die Kunst des Könnens liegt im Wollen“, so Kordes. Die zündende Idee kam der 41-Jährigen durch ein Missgeschick. Bei der Arbeit war ihr Verlobungsring in ein Plastikfass mit Reinigungsmittel gefallen. Nach dem ersten Schrecken zeigte sich: Das Ergebnis war im wahrsten Sinne brillant, der Ring strahlte wie neu. Und so machte sich Kordes an die Entwicklung eines Schmuckreinigers, der für alle Edelmetalle, viele Steinarten und auch für Modeschmuck einsetzbar ist. Das Resultat war ein Schmuckschaum – das erste Produkt ihrer Unternehmensneugründung „Kieler Seifen“.

Für Wirtschaftsminister Buchholz zeigen diese Beispiele, dass sich der Sprung ins kalte Wasser lohnt – trotz aller Risiken. Er appelliert dabei vor allem an Frauen: „Nicht zögern, nicht zweifeln – einfach machen! Denn selbst Scheitern ist wahrlich keine Schande.“

Informationsmaterial zur Vorbereitung von Unternehmensübergaben auf www.ihk-sh.de, und www.hwk-sh.de.

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