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Erholungsprozesses im Handwerk fortgesetzt

Lübeck/Flensburg, 11. Oktober 2021 – Der im Frühjahr begonnene Erholungsprozess im schleswig-holsteinischen Handwerk hat sich auch im dritten Quartal fortgesetzt. Sorgen bereiten Preissteigerungen und Lieferengpässe.

Foto: www.amh-online.de

Anhaltende Preissteigerungen und Lieferengpässe bei wichtigen Materialien sowie die sich eintrübende Gesamtkonjunktur verlangsamen die Aufwärtsentwicklung.

In der aktuellen Konjunkturumfrage der Handwerkskammer Schleswig-Holstein für die Monate Juli, August und September 2021 meldeten 62 Prozent der Mitgliedsbetriebe eine gute, 30 Prozent eine befriedigende und 8 Prozent eine schlechte Geschäftslage. Gegenüber dem Vorquartal bedeutet dies eine weitere Zunahme der Betriebe, die ihre Situation als gut einschätzen (II. Quartal: 55, 36 und 9 Prozent). Ralf Stamer, Präsident der Handwerkskammer Schleswig-Holstein, sieht allerdings auch Risiken für eine Fortsetzung dieser positiven Entwicklung: „Sorgen bereiten uns die anhaltenden Engpässe und Preissteigerungen bei Materialien und Rohstoffen, die unsere Betriebe für die Erfüllung ihrer Aufträge benötigen. Dieses Problem bremst derzeit eine noch bessere Entwicklung im Handwerk ab. Zudem stellt sich die Frage, wie sich die insgesamt deutlich anziehende Inflationsrate sowie die ebenfalls durch Zulieferprobleme bedingten Produktionsprobleme der Industrie auf die Gesamtwirtschaft und damit auch auf das Handwerk auswirken werden.“

Als Folge der stark gestiegenen Einkaufspreise berichtete jeder zweite Handwerksbetrieb auch von steigenden Verkaufspreisen. Die Auftragslage, die Umsätze und den Investitionen im Handwerk bewegten sich hingegen weitgehend auf dem Niveau des Vorquartals. Auch die Beschäftigtenzahl der schleswig-holsteinischen Handwerksbetriebe blieb weiter stabil.

In den einzelnen Gewerbegruppen war die konjunkturelle Situation indes nicht einheitlich. Aus dem Bauhauptgewerbe und dem Ausbauhandwerk wurde wie in den Vorquartalen eine ganz überwiegend gute Geschäftslage gemeldet. Im Handwerk für den gewerblichen Bedarf (z.B. Metallbau, Feinwerkmechanik, Landmaschinenmechanik, Gebäudereinigung) hat sich die Situation insgesamt verbessert, insbesondere handwerkliche Zulieferer der Industrie bewegen sich aber weiterhin in schwierigem Fahrwasser. Im Nahrungsmittel-, im Gesundheits-, im Kraftfahrzeug- sowie im personenbezogenen Dienstleistungshandwerk (u.a. Friseurhandwerk, Kosmetikgewerbe, Maßschneiderhandwerk, Fotografenhandwerk) wird die Lage weiterhin überwiegend als befriedigend eingeschätzt.

Erwartungen an die nächsten Monate

Für das vierte Quartal 2021 erwarten die meisten Handwerksbetriebe in Schleswig-Holstein eine gleichbleibende Entwicklung. 20 Prozent rechnen mit einer Verbesserung, 69 Prozent mit keiner Veränderung und 11 Prozent mit einer Verschlechterung der Geschäftslage. Aufträge, Umsätze, Investitionen und Beschäftigtenzahlen werden voraussichtlich auf dem bisherigen Niveau bleiben. Der Großteil der Betriebe geht aber von einem weiteren Anstieg der Preise für Rohstoffe und Materialien aus, der sich auch in höheren Verkaufspreisen des Handwerks niederschlagen dürfte.

Die Ergebnisse aus den beiden Kammerbezirken

Die Betriebe im Kammerbezirk Flensburg (die Kreise Schleswig-Flensburg, Rendsburg-Eckernförde, Dithmarschen und Nordfriesland sowie die kreisfreie Stadt Flensburg) vermeldeten im dritten Quartal eine abermals leichte Konjunkturbelebung. 67 Prozent der befragten Betriebe sprachen von einer guten, 26 Prozent von einer befriedigenden und 7 Prozent von einer schlechten Geschäftslage im Berichtsquartal (zum Vergleich: II. Quartal 2021: 59, 32 und 9 Prozent). Gegenüber dem Vorquartal stiegen die Kennzahlen Umsatz, Auftragseingang und Auftragsbestand leicht an. Dagegen blieben die Mitarbeiterzahl und die Investitionstätigkeit unverändert. Beide verharrten auf dem Niveau des Vorquartals.

Bei den Brancheneinzelergebnissen ragten einmal mehr die Werte aus dem Bauhauptgewerbe (Geschäftslage: 72, 26 und 2 Prozent) und den Ausbauhandwerken (80, 19 und 1 Prozent) heraus. Die Handwerke für den gewerblichen Bedarf (47, 37 und 16 Prozent) erreichten ein ähnliches Ergebnis wie im Vorquartal. Gleiches gilt für die Kfz-Branche (22, 56 und 22 Prozent). Das Nahrungsmittelgewerbe (40, 40 und 20 Prozent), das Gesundheitsgewerbe (50, 25 und 25 Prozent) und das personenbezogene Dienstleistungsgewerbe (33, 33 und 34 Prozent) wiesen leichte Steigerungen auf. Schwierig bleibt das Thema Rohstoff- und Materialkosten. 82 Prozent berichteten über gestiegene Beschaffungskosten.

Im Kammerbezirk Lübeck (kreisfreie Städte Kiel, Lübeck und Neumünster sowie Kreise Herzogtum Lauenburg, Ostholstein, Pinneberg, Plön, Segeberg, Steinburg und Stormarn) berichteten im dritten Quartal 59 Prozent der Betriebe von einer guten, 32 Prozent von einer befriedigenden und 9 Prozent von einer schlechten Geschäftslage (II. Quartal 2021: 54, 37 und 9 Prozent). Auftragsbestand, Umsätze, Investitionen und Beschäftigtenzahlen blieben gegenüber dem Vorquartal weitgehend konstant. Allerdings meldeten 42 Prozent der Betriebe steigende Verkaufspreise.

Unter den einzelnen Gewerbegruppen wurden die positivsten Lageeinschätzungen aus dem Bauhauptgewerbe (78, 22 und 0 Prozent) und aus dem Ausbauhandwerk (77, 17 und 6 Prozent) gemeldet. Gegenüber dem Vorquartal verbessert hat sich die Geschäftslage im Handwerk für den Gewerblichen Bedarf (63, 21 und 16 Prozent). Im Nahrungsmittelhandwerk halten sich Meldungen einer guten und einer befriedigenden Geschäftslage die Waage (46, 46 und 8 Prozent). Überwiegend als befriedigend wurde die Geschäftslage im Kraftfahrzeughandwerk (26, 58 und 16 Prozent), im personenbezogenen Dienstleistungshandwerk (35, 55 und 10 Prozent) sowie im Gesundheitshandwerk (36, 43 und 21 Prozent) eingeschätzt. Zahlreiche Betriebe im Kammerbezirk Lübeck berichteten weiterhin von Beschaffungsproblemen und Preissteigerungen bei Rohstoffen, Baumaterialien und anderen Vorprodukten, die auch zu höheren Verkaufspreisen im Handwerk führen.

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