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Handwerkskonjunktur: Aufatmen nach Corona-Winter

Lübeck/Flensburg, 19. Juli 2021 – Im Frühjahr 2021 hat sich die Stimmung im schleswig-holsteinischen Handwerk nach den wirtschaftlich stark durch die Corona-Pandemie geprägten Wintermonaten deutlich aufgehellt.

Fotonachweis - Foto: Rolf Göbels, GFWH GmbH

Gedämpft wird die Stimmung jedoch durch die Knappheit wichtiger Materialien, die vor allem die Bautätigkeit bremst. Insgesamt erwartet das Handwerk für die nächsten Monate dennoch einen anhaltenden Erholungsprozess.

Für die Monate April, Mai und Juni 2021 meldeten 55 Prozent der Handwerksbetriebe eine gute, 36 Prozent eine befriedigende und 9 Prozent eine schlechte Geschäftslage. Im ersten Quartal hatte noch jeder vierte Betrieb (24 Prozent) von einer schlechten Lage berichtet. Ralf Stamer, Präsident der Handwerkskammer Schleswig-Holstein, bestätigt die grundsätzlich verbesserte Stimmung: „Die Betriebe des Bau- und Ausbauhandwerks haben ungeachtet der aktuellen Lieferschwierigkeiten bei Baumaterialien weiterhin eine gute Auftragslage. Durch die Lockerung der Corona-Restriktionen hat sich die Lage auch in den davon im Winter stark betroffenen Gewerken entspannt. Allerdings läuft das Geschäft vor allem bei vielen Friseuren, Kosmetikstudios, Fotografen oder Maßschneidern noch nicht wieder so gut wie vor der Pandemie.“

Die Situation in den einzelnen Gewerbegruppen des Handwerks stellt sich somit weiterhin differenziert dar. Im Bauhauptgewerbe und im Ausbauhandwerk überwogen die Meldungen einer guten Geschäftslage sehr deutlich, während die Situation in den übrigen Bereichen des Handwerks überwiegend als befriedigend eingeschätzt wurde. Auftragslage und Umsätze haben sich in den meisten Handwerksbranchen im Vergleich zum ersten Quartal deutlich verbessert, während die Investitionen und die Beschäftigtenzahlen auf dem bisherigen Niveau stabil blieben. Vor dem Hintergrund der deutlich gestiegenen Einkaufspreise für Materialien und Rohstoffe haben sich auch die Verkaufspreise erhöht.

Erwartungen an die nächsten Monate

Für das dritte Quartal 2021 erwarten die Handwerksbetriebe in Schleswig-Holstein, dass der allmähliche Erholungsprozesses weiter anhält. 22 Prozent rechnen mit einer Verbesserung, 70 Prozent mit keiner Veränderung und 8 Prozent mit einer Verschlechterung der Geschäftslage. Dabei geht die Mehrheit der Betriebe von einer leichten Wachstumstendenz bei Aufträgen und Umsätzen aus, während die Beschäftigtenzahl und die Investitionen voraussichtlich auf dem bisherigen Niveau bleiben werden. Der Großteil der Betriebe rechnet zudem mit einem weiteren Anstieg der Preise für Rohstoffe und Materialien, der sich entsprechend auf die Verkaufspreise im Handwerk auswirken dürfte.

Die Ergebnisse aus den beiden Kammerbezirken

Die Betriebe im Kammerbezirk Flensburg (Kreise Schleswig-Flensburg, Rendsburg-Eckernförde, Dithmarschen und Nordfriesland sowie kreisfreie Stadt Flensburg) vermeldeten im zweiten Quartal eine Konjunkturbelebung. 59 Prozent der befragten Betriebe sprachen von einer guten, 32 Prozent von einer befriedigenden und 9 Prozent von einer schlechten Geschäftslage (erstes Quartal 2021: 55, 39 und 15 Prozent). Umsatz, Auftragseingang und Auftragsbestand wiesen gegenüber dem ersten Quartal Steigerungen auf. Mitarbeiterzahl und Investitionen erreichten das Niveau des Vorquartals. Einmal mehr wurde das Gesamtergebnis von den guten Branchenwerten im Bauhauptgewerbe (Geschäftslage 66, 34 und 0 Prozent), in den Ausbauhandwerken (79, 16 und 5 Prozent) und den Handwerken für den gewerblichen Bedarf (42, 41 und 17 Prozent) geprägt. Erfreulich sind aber auch die spürbaren Erholungstendenzen in den anderen Berufsgruppen, die zum Teil verstärkt vom Thema Corona betroffen waren bzw. noch sind. Sowohl die Kfz-Branche (14, 86 und 0 Prozent), das Nahrungsmittelgewerbe (12, 63 und 25 Prozent), das Gesundheitsgewerbe (20, 60 und 20 Prozent) als auch das personenbezogene Dienstleistungsgewerbe (25, 38 und 37 Prozent) verzeichneten eine deutliche Verbesserung der Geschäftslage gegenüber dem Vorquartal. Das Thema Rohstoff- und Materialkosten belastet aber zunehmend das Handwerk. Zwar konnte ein Teil der Kostensteigerungen über höhere Verkaufspreise aufgefangen werden (das berichten 54 Prozent der Betriebe), insgesamt sprachen aber 81 Prozent über zum Vorquartal gestiegene Beschaffungskosten.

Im Kammerbezirk Lübeck (kreisfreie Städte Kiel, Lübeck und Neumünster sowie Kreise Herzogtum Lauenburg, Ostholstein, Pinneberg, Plön, Segeberg, Steinburg und Stormarn) berichteten im zweiten Quartal 54 Prozent der Betriebe von einer guten, 37 Prozent von einer befriedigenden und 9 Prozent von einer schlechten Geschäftslage (erstes Quartal 2021: 41, 31 und 28 Prozent). Auftragsbestand und Umsätze legten gegenüber dem Vorquartal deutlich zu, während die Investitionen und die Beschäftigtenzahl sich nicht veränderten. Unter den einzelnen Gewerbegruppen wurden die positivsten Lageeinschätzungen aus dem Gesundheitshandwerk (75, 25 und 0 Prozent), aus dem Bauhauptgewerbe (71, 29 und 0 Prozent) und aus dem Ausbauhandwerk (71, 22 und 9 Prozent) gemeldet, gefolgt vom Nahrungsmittelhandwerk (54, 28 und 8 Prozent) und dem Kraftfahrzeughandwerk (50, 43 und 7 Prozent). Überwiegend befriedigend war die Geschäftslage im Handwerk für den gewerblichen Bedarf (39, 52 und 9 Prozent) und im personenbezogenen Dienstleistungshandwerk (31, 54 und 15 Prozent). In allen Handwerksbranchen hat sich die Lageeinschätzung damit gegenüber dem Vorquartal verbessert, besonders deutlich im Kraftfahrzeughandwerk und im personenbezogenen Dienstleistungshandwerk. Auch im Kammerbezirk Lübeck berichteten zahlreiche Betriebe – vor allem aus dem Bauhauptgewerbe, dem Ausbauhandwerk und dem Handwerk für den gewerblichen Bedarf – von Problemen aufgrund der Knappheit und Verteuerung von Rohstoffen und Materialien. 58 Prozent dieser Betriebe rechnen für das dritte Quartal mit einer weiteren Verschärfung der Situation.

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