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Handwerkskonjunktur: Eintrübung durch Pandemie

Lübeck/Flensburg, 12. April 2021 – Die anhaltende Corona-Pandemie verursacht auch im Handwerk zunehmend konjunkturelle Bremsspuren. Bei der aktuellen Konjunkturumfrage meldete jeder vierte Handwerksbetrieb eine schlechte Geschäftslage.

Foto: Falk Heller/www.amh-online.de

Bei der Konjunkturumfrage der Handwerkskammern Flensburg und Lübeck für die Monate Januar, Februar und März 2021 meldete jeder vierte Handwerksbetrieb eine schlechte Geschäftslage. In den nächsten Monaten rechnet das Handwerk mit einer leichten wirtschaftlichen Erholung.

Insgesamt berichteten 45 Prozent der Betriebe von einem guten, 31 Prozent von einem befriedigenden und 24 Prozent von einem schlechten Quartal. Gegenüber dem Vorquartal hat sich die konjunkturelle Situation im schleswig-holsteinischen Handwerk damit insgesamt spürbar verschlechtert (Geschäftslagedaten im vierten Quartal 2020: 56, 28 und 16 Prozent). „Auch wenn die Lage in weiten Teilen des Handwerks noch überwiegend stabil oder sogar gut ist, bereitet die Situation vieler Gewerke Anlass zur Sorge. Vor allem Friseure und Kosmetiker haben wirtschaftlich massiv gelitten, aber auch Maßschneider und Fotografen und weitere direkt und indirekt von den Auswirkungen des Lockdowns betroffene Gewerke“, kommentiert Ralf Stamer, Präsident der Handwerkskammer Schleswig-Holstein, die Ergebnisse der aktuellen Umfrage. 

Unterschiedliche Betroffenheit in den Gewerken

Neben den von staatlich angeordneten Schließungen betroffenen Handwerksbranchen berichteten auch andere Bereiche von Eintrübungen ihrer Geschäftslage. Betroffen war hier vor allem das Kraftfahrzeughandwerk. Sehr differenziert stellt sich die Situation im Nahrungsmittelhandwerk, in den Handwerken für den gewerblichen Bedarf und im Gesundheitshandwerk dar. Betriebe des Bauhauptgewerbes und des Ausbauhandwerks bezeichneten ihre Geschäftslage dagegen weiterhin ganz überwiegend als gut, auch wenn gegenüber dem Vorquartal eine leichte Abkühlung erkennbar ist. Gewerkeübergreifend berichteten zahlreiche Handwerksbetriebe von weiter sinkenden Umsätzen und Auftragsbeständen sowie von rückläufigen Investitionen. Zudem ist ein im langjährigen Vergleich relativ starker Anstieg der Verkaufspreise festzustellen, der teilweise auf deutlich gestiegene Einkaufspreise für wichtige Baumaterialien zurückzuführen sein dürfte. „In dieser auch stark von Unsicherheit geprägten Situation ist es umso erfreulicher, dass die große Mehrzahl der Betriebe stabile Beschäftigtenzahlen meldet“, so Ralf Stamer.

Erwartungen an die nächsten Monate

Für das zweite Quartal 2021 erwartet das Handwerk in Schleswig-Holstein eine leichte wirtschaftliche Erholung. Insgesamt rechnen 28 Prozent mit einer Verbesserung, 60 Prozent mit keiner Veränderung und 12 Prozent mit einer Verschlechterung der Geschäftslage. Dabei geht die Mehrheit der Betriebe von einer in etwa gleich bleibenden Auftragslage und Umsatzentwicklung aus. Die derzeitige Investitionszurückhaltung dürfte angesichts der unsicheren wirtschaftlichen Perspektiven allerdings weiter anhalten. Positiv ist hingegen, dass die große Mehrheit der Betriebe ihre Beschäftigtenzahl weiterhin konstant halten will.

Die Ergebnisse aus den beiden Kammerbezirken

Die Betriebe im Kammerbezirk Flensburg (Kreise Schleswig-Flensburg, Rendsburg-Eckernförde, Dithmarschen und Nordfriesland sowie Stadt Flensburg) vermeldeten auch im ersten Quartal des Jahres ein auf den ersten Blick zufriedenes Ergebnis. 55 Prozent der Betriebe sprachen von einer guten, 30 Prozent von einer befriedigenden und 15 Prozent von einer schlechten wirtschaftlichen Situation. Die Werte der beiden Vergleichsquartale wurden jedoch nicht wieder erreicht (viertes Quartal 2020: 61, 27 und 12 Prozent/ erstes Quartal 2020: 64, 21, und 5 Prozent). Maßgeblich getragen wurde das Gesamtergebnis wieder von den guten Branchenwerten im Bauhauptgewerbe (Geschäftslage: 64, 28 und 8 Prozent), in den Ausbauhandwerken (73, 22 und 5 Prozent) und den Handwerken für den gewerblichen Bedarf (45, 50 und 5 Prozent). In anderen Branchen hinterließ der Corona-bedingte Lockdown deutlichere Spuren. Die Kfz-Branche (11, 56 und 33 Prozent), das Nahrungsmittelgewerbe (null, 55 und 45 Prozent), das Gesundheitsgewerbe (null, 38 und 62 Prozent) und das personenbezogene Dienstleistungsgewerbe (null, 20 und 80 Prozent) lagen zum Teil sehr deutlich unter dem Ergebnis des Gesamthandwerks.

Im Kammerbezirk Lübeck (Städte Kiel, Lübeck, Neumünster; Kreise Herzogtum-Lauenburg, Ostholstein, Pinneberg, Plön, Segeberg, Steinburg, Stormarn) berichteten 41 Prozent des Handwerks von einer guten, 31 Prozent von einer befriedigenden und 28 Prozent von einer schlechten Geschäftslage. Gegenüber dem Vorquartal hat sich damit der Anteil der Betriebe mit schlechter Geschäftslage um zehn Prozentpunkte erhöht. Wie bereits in den Vorquartalen gab es jedoch weiterhin sehr unterschiedliche Lageeinschätzungen in den einzelnen Gewerbegruppen. Als weiterhin überwiegend gut wurde die Geschäftslage im Bauhauptgewerbe (65, 33 und 2 Prozent) und im Ausbauhandwerk (60, 28 und 12 Prozent) eingeschätzt. Auch das Nahrungsmittelhandwerk zeigte sich überwiegend zufrieden, ein Viertel der Betriebe in dieser Gruppe meldete allerdings auch eine schlechte Geschäftslage (56, 19 und 25 Prozent). Ebenfalls differenziert zeigte sich die Lage im Handwerk für den gewerblichen Bedarf (40, 30 und 30 Prozent). Als überwiegend befriedigend bei allerdings deutlicher Verschlechterung gegenüber dem Vorquartal wurde die Situation von den Betrieben des Kraftfahrzeughandwerks (13, 52 und 35 Prozent) und des Gesundheitshandwerks (25, 42 und 33 Prozent) eingeschätzt. Die mit deutlichem Abstand schlechtesten Lagemeldungen kamen aus dem personenbezogenen Dienstleistungshandwerk (12, 30 und 58 Prozent).

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