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Coronavirus: Ausbildung im Betrieb

Der Coronavirus stellt Betriebe auch beim Thema Ausbildung vor Herausforderungen. Wie geht es mit der Ausbildung weiter? Gilt Kurzarbeit auch für Auszubildende? Wer soll sich um die Azubis kümmern? Die wichtigsten Antworten finden Sie hier. Unsere Ausbildungsberater beraten Sie individuell.

Ansprechpartner

Für Fragen stehen Ihnen unsere Mitarbeiter aus der Betriebsberatung, der Rechtsauskunft und unsere Ausbildungsberater zur Verfügung.

Ansprechpartner in der Coronakrise

News: Am 24. Juni hat die Bundesregierung die Eckpunkte zur Förderung von Ausbildungen im Zuge der Corona-Pandemie beschlossen. Sie sehen unter anderem Ausbildungsprämien für Betriebe vor.

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Fragen zum Ausbildungsablauf

Kann die Ausbildung bei vorrübergehender Betriebsschließung im Homeoffice durchgeführt werden?

Pragmatische Vereinbarungen sind – sofern möglich – zu finden, um Ausbildungsverhältnisse zu halten. Für handwerkliche Ausbildungsberufe ist eine Ausbildung im Homeoffice nur für kürzere Zeiträume denkbar, da die praktische Ausübung von handwerklichen Tätigkeiten im Mittelpunkt der Ausbildung steht.

Dürfen Auszubildende der Ausbildung fernbleiben?

Grundsätzlich darf ein Auszubildender die Arbeit nicht verweigern, weil die Ansteckungsgefahr bei der Arbeit oder auf dem Weg dorthin erhöht sein könnte. Im Einzelfall kann der Arbeitgeber bei einer konkreten Gefährdung aufgrund seiner Fürsorgepflicht verpflichtet sein, den Auszubildenden von der Arbeit freizustellen oder Teile der Ausbildung (zum Beispiel das Führen des Ausbildungsnachweises) zu Hause zu erlauben.

Wann findet meine Zwischen-/Abschlussprüfung statt?

Bisher sind alle Prüfungen bis zum 24. April 2020 ausgesetzt. Derzeit lassen sich noch keine verbindlichen Termine sagen. Genaue Zeitfenster werden wir entsprechend der Entwicklung der Pandemie bekanntgeben. Weitere Informationen: Prüfungen

Müssen Azubis in den Betrieb, wenn die Prüfung abgesagt wurde?

Ja. Der Auszubildende muss grundsätzlich in den Ausbildungsbetrieb kommen, wenn die Prüfung ausfällt. Eine Freistellung erfolgt nur für die Teilnahme an der Prüfung.

Kann für Azubis Kurzarbeit angeordnet werden?

Auszubildenden gegenüber kann in der Regel keine Kurzarbeit angeordnet werden. Der Ausbildungsbetrieb ist dazu verpflichtet, alle Mittel auszuschöpfen, um die Ausbildung weiter zu gewährleisten. Erst wenn alle Möglichkeiten ausgeschöpft sind, kann Kurzarbeit auch für Auszubildende in Frage kommen. Diese Option ist allerdings restriktiv zu handhaben. Sollte Auszubildenden gegenüber Kurzarbeit angeordnet werden, haben sie Anspruch auf Zahlung der vollen Ausbildungsvergütung für mindestens sechs Wochen (§ 19 Abs. 1 Nr. 2 BBiG). Abweichend von der gesetzlichen Mindestdauer können Ausbildungs- und Tarifverträge längere Fristen vorsehen.

Kann für Ausbilder Kurzarbeit angeordnet werden?

Auch bei Ausbildern sollte Kurzarbeit nur in Ausnahmefällen angeordnet werden, da der Betrieb gewährleisten muss, dass der Ausbilder seiner Ausbildungspflicht gegenüber dem Auszubildenden nachkommt. Werden die Auszubildenden mangelhaft oder gar nicht ausgebildet, kann ein Schadensersatzanspruch gegenüber dem Ausbildungsbetrieb entstehen.

Wie können Betriebe ihren Ausbildungsauftrag erfüllen?

Um die Ausbildung auch während der Coronakrise weiter zu gewährleisten, stehen Betrieben zum Beispiel folgende Möglichkeiten offen:

  • Umstellung des Ausbildungsplans durch Vorziehen anderer Lerninhalte
  • Versetzung in eine andere Abteilung
  • Rückversetzung in die Lehrwerkstatt
  • Durchführung besonderer Ausbildungsveranstaltungen

Können Auszubildende in den Urlaub geschickt werden?

Auszubildende können nicht pauschal in „Zwangsurlaub” geschickt werden. Hier entscheidet der Einzelfall. Es kann auch vorteilhaft sein, Urlaub zu nehmen. Um solche Fälle zu klären, kontaktieren Sie gerne unsere Ausbildungsberater.

Kann Auszubildenden gekündigt werden?

Kurzarbeit rechtfertigt keine Kündigung der Azubis durch den betroffenen Ausbildungsbetrieb – es sei denn der Ausbildungsbetrieb kommt für längere Zeit vollständig zum Erliegen. Sollte dadurch die Ausbildungseignung des Betriebes entfallen, ist eine Kündigung möglich. Es entsteht kein Schadensersatzanspruch. Allerdings sind die Ausbilder dazu verpflichtet, sich mit der zuständigen Agentur für Arbeit rechtzeitig um einen anderen Ausbildungsbetrieb für den Azubi zu bemühen.

Darf der Betrieb Azubis nach Hause schicken? Wenn ja, was ist mit der Vergütung?

Der Ausbildende hat gemäß der in § 14 Absatz 1 Nr. 5 BBiG normierten Fürsorgepflicht dafür zu sorgen, dass Auszubildende gegen Gefahren für Leben und Gesundheit geschützt werden. Im Fall einer möglichen Gesundheitsgefährdung des Auszubildenden – insbesondere bei einer nachweislich Corona-relevanten Vorerkrankung (vgl. Bestimmung der Risikogruppen gemäß Robert Koch-Institut) – sollten individuelle Lösungen gefunden werden. Stellt der Ausbildende den Auszubildenden frei, hat er die Ausbildungsvergütung gemäß § 19 Absatz 1 Nr. 2 b BBiG weiterzuzahlen.

Ist es gestattet, Auszubildende auf Baustellen in Risikogebiete mitzunehmen, für das die Heimatstadt Quarantäne angeordnet hat bei der Rückkehr?

Bisher sind solche Quarantänebestimmungen innerhalb Deutschlands nicht bekannt. Aber auch unabhängig davon sollte der Ausbildende mit Blick auf die ihm obliegende Fürsorgepflicht gemäß § 14 Absatz 1 Nr. 5 BBiG das Gefährdungsrisiko für den Auszubildenden möglichst gering halten und ihn nicht auf einer Baustelle in einem sogenannten Corona-Risikogebiet einsetzen.

Was geschieht mit dem Auszubildenden, wenn das Unternehmen auf behördliche Anweisung geschlossen werden muss?

Die Ausbildung muss so lange wie möglich aufrechterhalten werden. Dies ist unter Umständen für eine kürzere Zeit auch ohne Öffnung des Betriebs für Kunden möglich (Einzelfallbeurteilung). Ist die Ausbildung nicht mehr möglich, muss die Ausbildung gegebenenfalls ausfallen. In diesem Fall besteht die Pflicht zur Fortzahlung der Vergütung nach § 19 Absatz 1Nr. 2 a) BBiG.

Ist während der Corona Krise etwas Besonderes zu beachten, wenn ich meinen Ausbildungsplatzwechseln möchte?

Nein. Wer seinen Ausbildungsplatzwechseln wecheln möchte, sollte aber eine durchdachte Entscheidung treffen. Ein Wechsel sollte nur erfolgen, wenn man sich ganz sicher ist, dass der Ausbildungsberuf nichts für einen ist oder man menschlich mit dem Betrieb nicht zurecht gekommen ist - und zwar auf Dauer. Ein Streit oder eine klare Anweisung, die nicht gefällt, sollten kein Grund sein, um den Ausbildungsplatz zu wechseln. Nach einem Wechsel gibt es eine neue Probezeit und der neue Chef, muss die bisherige Ausbildungszeit nicht anerkennen. Weitere Fragen beantworten die Ausbildungsberater gerne im Beratungsgespräch.

Ihre Fragen sind wichtig

Sagen Sie uns, welche Themen für Sie aktuell am dringendsten sind. Unsere Ausbildungsberater bemühen sich, Ihnen schnellstmöglich verbindliche Antworten auf Ihre Fragen zu geben.

Ansprechpartner in der Coronakrise

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Ausfall des Berufsschulunterrichts

Muss ich in den Betrieb, wenn keine Schule ist?

Ja, es besteht Anwesenheitspflicht für die Ausbildung, wenn die Schule ausfällt. Angst vor einer Ansteckung entbindet nicht von der Anwesenheitspflicht.

Muss der Betrieb den Auszubildenden für die Erledigung von berufsschulischen Aufgaben freistellen, während die Berufsschule geschlossen ist?

Der Freistellungstatbestand aus § 15 Abs. 1 Nr. 1 BBiG ist in der aktuellen Situation von längerfristig geschlossenen Berufsschulen nicht mehr ohne weiteres gegeben. Auszubildende in dualen Berufsausbildungsverhältnissen sind im Falle von Berufsschulschließungen grundsätzlich verpflichtet, sich mit dem Betrieb abzustimmen, wie die Ausbildung ohne Präsenzunterricht in der Schule fortgeführt werden soll. Ausbildungsbetriebe müssen dabei die Arrangements berücksichtigen, die Berufsschulen ggfs. getroffen haben, um Auszubildende aus der Distanz zu unterrichten (zum Beispiel mit digitalen Lernplattformen oder durch häusliche Lernaufträge). Sofern ein entsprechendes didaktisches Lernarrangement besteht, kann dies als Berufs-schulunterricht gesehen werden. Eine Teilnahme daran ist von den Betrieben zu ermöglichen. Es sollte deshalb eine angemessene Zeit für die Erfüllung der schulischen Lernaufträge entweder im Betrieb oder im häuslichen Umfeld zur Verfügung stehen.

Haben längere Ausfallzeiten in der Berufsschule Auswirkungen auf die Prüfungsanforderungen?

Nein, die Prüfungsanforderungen sind in den Ausbildungsordnungen beschrieben und können nicht verändert werden. Besteht nach mehrwöchigem Unterrichtsausfall die Sorge, dass das Ausbildungsziel nicht erreicht wird, kann ein Antrag auf Verlängerung der Ausbildung nach §27 b Absatz 2 HwO / § Absatz 2 BBiG gestellt werden.

Fragen zur Einstiegsqualifizierung

Kann der Anspruch auf Förderung eines bereits bewilligten Vertrags (auch rückwirkend) entfallen, weil durch (vorübergehende) Betriebsschließungen Fristen einer Mindestdauer unterschritten werden?

Nein. Derzeit ist zwar eine Mindestdauer von sechs Monaten für eine Förderung vorgesehen. Mindestdauer bedeutet aber nur, dass der Vertrag bei Abschluss keine kürzere Dauer haben darf. Wenn dieser dann unplanmäßig früher endet, fällt damit der Anspruch nicht rückwirkend weg.

Müssen Betriebe gegebenenfalls bereits ausgezahlte Zuschüsse für Einstiegsqualifizierungen zurückzahlen?

Nein.

Können Verträge auch über den Zeitraum der Betriebsschließung unterbrochen werden beziehungsweise kann die Förderung auch in diesem Fall fortgesetzt werden?

Eine Fortsetzung der EQ nach „Pause“ wegen Corona ist möglich. Es sei denn, der EQ-Vertrag wird – etwa durch Kündigung – beendet: Ein neuer EQ-Vertrag im selben Betrieb könnte dann nicht gefördert werden. (§ 54a Absatz 5 Satz 1). Daher sollte sehr sorgfältig überlegt werden, ob ein Vertrag beendet oder nur „pausiert“ werden soll. Die Bundesagentur für Arbeit kann die Praktikumsvergütung nur solange erstatten, wie der Betrieb diese zahlt beziehungsweise zahlen muss. Eine Zahlung über das ursprünglich vorgesehene Ende des EQ-Vertrages hin-aus (maximal ein Jahr) kommt nicht in Betracht.

Unterstützung von Auszubildenden durch abH und AsA

Können ausbildungsbegleitende Hilfen (abH) und Assistierte Ausbildung (AsA) zur gezielten Prüfungsvorbereitung genutzt werden?

Die Träger sollten darauf gezielt angesprochen und um Kontaktaufnahme auch zu Berufsschulen und überbetrieblichen Bildungsstätten aufgefordert werden.

Wie kann die Präsenzpflicht der Teilnehmer von abH/AsA bei aus Infektionsschutzgründen verordneten Kontaktverboten ersetzt werden?

Die Präsenzpflicht kann, so die Bundesagentur für Arbeit, nach folgenden Maßgaben durch Distanzlernen ersetzt werden: Das Online-Angebot muss zielgruppengerecht und im Rahmen der aktuellen Möglichkeiten datenschutzkonform sein und den Maßnahmeinhalt im Wesentlichen abdecken können. Neben notwendiger Nachholung und Komprimierung von Maßnahmeinhalten können alternative, insbesondere digitale Lernformen wie beispielsweise e-Learning, Videotelefonie, virtuelles Klassenzimmer herangezogen werden, um den Teilnehmenden eine ortsunabhängige Kommunikation und Lernmöglichkeit bieten zu können. Sofern Bildungs-/Maßnahmeträgern hierfür digitale Möglichkeiten zur Verfügung stehen, sollten diese abfragen, ob Teilnehmende zu Hause über einen Internetzugang bzw. über die notwendige technische Ausstattung verfügen.

Praxistipps zur Sicherstellung der Ausbildung

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Stellen Sie dem Auszubildenden praxisbezogene Aufgaben, die er in ihrer Werkstatt (Werkbank) erledigen kann. Grundlage ist der Ausbildungsrahmenplan. Dabei können auch Ausbildungsinhalte vorgezogen oder wiederholt werden. Dies dient auch einer erfolgreichen Vorbereitung auf anstehende Prüfungen. Ermöglichen Sie dem Auszubildenden, dass er in der Firma oder auch zu Hause seine Ausbildungsnachweise auf den neuesten Stand bringen kann. Dazu gehört auch das Schreiben von Berichten über spezielle Ausbildungsthemen.

Momentan sind wenige Kundenaufträge vorhanden. Auszubildende könnten stattdessen zum Beispiel die eigene Geräte und Liegenschaften instand setzen. Beispielhaft könnten das folgende Aufgaben sein:

  • Kraftfahrzeugmechatroniker könnten Gebrauchtwagen reparieren
  • Anlagemechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik könnten die Heizungsanlage warten
  • Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik könnten Garagen auf LED-Technik umrüsten
  • Metallbauer der Fachrichtung Konstruktionstechnik könnten ein neues Balkongeländer anfertigen und montieren

Im konkreten Einzelfall kontaktieren Sie bitte unsere Ausbildungsberater. Bei allen Maßnahmen, die Sie momentan im Rahmen der Ausbildung durchführen, vergessen Sie bitte nicht die hygienischen Vorsichtsmaßnahmen im Öffentlichen Raum, sowie beim Kunden vor Ort.