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Coronavirus: Finanzielle Hilfsmaßnahmen

Bundes- und Landesregierung haben umfassende Hilfsmaßnahmen für Betriebe beschlossen, die von den wirtschaftlichen Auswirkungen des Coronavirus betroffen sind. Hier erhalten Sie einen Überblick über die Maßnahmen und weiterführende Informationsquellen.

Ansprechpartner

Für Fragen stehen Ihnen unsere Mitarbeiter aus der Betriebsberatung, der Rechtsauskunft und unsere Ausbildungsberater zur Verfügung.

Ansprechpartner in der Coronakrise

Achtung: Laufzeit von gewährten Steuer-Stundungen und mögliche Anschlussstundungen prüfen. Infos unter: "Steuerliche Liquiditätshilfe für Unternehmen"

Förderung der dualen Ausbildung – Richtlinie des Landes Schleswig-Holstein

In Schleswig-Holstein ist am 10. August eine eigene Förderrichtlinie in Kraft getreten, mit der Ausbildungsbetriebe bei der Bewältigung der Auswirkungen der Corona-Pandemie unterstützt werden sollen. Ab sofort können Unternehmen eine einmalige Förderung in Höhe von 2.000 Euro erhalten, wenn sie zusätzlich junge Menschen aufnehmen, die aufgrund der Corona-Pandemie ihren Ausbildungsplatz verloren haben. Damit möchte das Land  Firmen unterstützen, die nicht von den Ausbildungsprämien des Bundes profitieren können (siehe auch Abschnitt Ausbildungsprämien).

Mit der Förderung will das Land eine Förderlücke des Bundesprogramms schließen. Förderberechtigt waren im Bundesprogramm nur Unternehmen bis 249 Mitarbeiter. Das Landesprogramm richtet sich an Betriebe mit bis zu 400 Mitarbeitern. Darüber hinaus wird die Landesförderung sofort und nicht erst nach erfolgreichem Abschluss der Probezeit ausgezahlt.

Förderung beantragen

Einzelheiten zu Fördermöglichkeiten und Voraussetzungen des Förderprogramms finden Sie auf der Webseite des Landes Schleswig-Holstein. Bitte nutzen Sie ausschließlich das dort hinterlegte Antragsformular. Zusätzlich benötigen Sie eine „Bestätigung der zuständige Stelle bezüglich der Zusätzlichkeit des Ausbildungsplatzes“. Diese Bescheinigung erhalten Sie als Mitgliedsbetrieb von der Handwerkskammer Lübeck. Bitte senden Sie dafür das ausgefüllte Formular an folgenden Email-Adresse: Ausbildungsplaetze-sichern(at)hwk-luebeck.de. Alternativ können Sie das Formular auch auf dem Postweg an uns senden: Handwerkskammer Lübeck, Abt. Lehrlingsrolle, Breite Straße 10/12, 23552 Lübeck. Sie erhalten dann umgehend die Bescheinigung.

Ausbildungsprämien

Die Coronakrise soll nicht zu einer Krise für die berufliche Zukunft junger Menschen werden. Daher unterstützt das Bundesministerium für Bildung und Forschung ausbildende Betriebe mit dem Bundesprogramm „Ausbildungsplätze sichern“. Ab sofort können Betriebe bei der für ihren Betrieb zuständigen Agentur für Arbeit Ausbildungsprämien beantragen. Die Förderung ist nur für Betriebe bis zu einer Größe von maximal 249 Vollzeitbeschäftigten vorgesehen. Sie wird unter folgenden Voraussetzungen ausgezahlt:

Erhalt des Ausbildungsniveaus - Voraussetzung: erhebliche Betroffenheit durch die Coronakrise

Die Ausbildungsprämie fördert Betriebe, die in erheblichem Umfang von der Coronakrise betroffen sind und dennoch gleich viele Ausbildungsverträge für das Ausbildungsjahr 2020/2021 abschließen, wie im Durchschnitt der Jahre 2017 bis 2019. Sie gilt also für alle Ausbildungsverhältnisse, die am 1. August 2020 oder später beginnen. Der Ausbildungsvertrag kann bereits vor Inkrafttreten der Förderrichtlinie abgeschlossen worden sein. Die Prämie besteht aus einem einmaligen Zuschuss in Höhe von 2.000 Euro je Ausbildungsvertrag. Der Zuschuss wird nach der erfolgreich abgeschlossenen Probezeit ausgezahlt.

Um die Ausbildungsprämie zu erhalten, muss der Betrieb erheblich von der Corona-Krise betroffen sein. Dafür gelten folgende Kriterien: Die Beschäftigten haben in der ersten Jahreshälfte 2020 mindestens einen Monat in Kurzarbeit gearbeitet oder der Umsatz des Ausbildungsbetriebs ist im April und Mai 2020 im Vergleich zu April und Mai 2019 durchschnittlich um mindestens 60 Prozent eingebrochen. Wurde das Unternehmen nach April 2019 gegründet, gelten November und Dezember 2019 als Vergleichszeitraum.

Erhöhung des Ausbildungsniveaus (Ausbildungsprämie plus) - Voraussetzung: erhebliche Betroffenheit durch die Coronakrise

Alternativ gibt es die Ausbildungsprämie plus für zusätzliche Ausbildungsverträge. Sie fördert Betriebe, die ihre Ausbildungsleistung im Vergleich zu den drei Vorjahren erhöhen. In diesem Fall beträgt der Zuschuss einmalig 3.000 Euro pro zusätzlichem Ausbildungsvertrag. Hierunter fallen auch Betriebe, die trotz pandemiebedingter Einbußen in diesem Jahr erstmalig ausbilden. Der Zuschuss wird nach der erfolgreich abgeschlossenen Probezeit ausgezahlt.

Um die Ausbildungsprämie plus zu erhalten, muss der Betrieb erheblich von der Corona-Krise betroffen sein. Dafür gelten folgende Kriterien: Die Beschäftigten haben in der ersten Jahreshälfte 2020 mindestens einen Monat in Kurzarbeit gearbeitet oder der Umsatz des Ausbildungsbetriebs ist im April und Mai 2020 im Vergleich zu April und Mai 2019 durchschnittlich um mindestens 60 Prozent eingebrochen. Wurde das Unternehmen nach April 2019 gegründet, gelten November und Dezember 2019 als Vergleichszeitraum.

Vermeidung von Arbeitsausfällen trotz Kurzarbeit

Wenn Betriebe aufgrund der Corona-Krise Kurzarbeit anzeigen, aber einen Arbeitsausfall bei ihren Auszubildenden vermeiden, können sie einen Zuschuss in Höhe von 75 Prozent der Ausbildungsvergütung erhalten. Die Förderung wird für jeden Monat gezahlt, in dem der Betrieb einen Arbeitsausfall von mindestens 50 Prozent angezeigt hat. Der Zuschuss kann monatlich rückwirkend für die Zeit vom 1. August bis 31. Dezember 2020 beantragt werden.

Übernahme von Auszubildenden aus pandemiebedingt insolventen Betrieben

Betriebe, die Auszubildende aus einem Betrieb weiter ausbilden, der infolge der Corona-Krise insolvent ist, können die Übernahmeprämie für sogenannte “Insolvenzlehrlinge“ beantragen. Sie wird für Lehrlinge gewährt, die bis zum 31. Dezember 2020 übernommen werden. Der aufnehmende Betrieb erhält die Übernahmeprämie als einmaligen Zuschuss in Höhe von 3.000 Euro. Die Prämie wird nach der erfolgreich abgeschlossenen Probezeit ausgezahlt.

Infos der Bundesregierung

Eckpunktepapier (590,1 KB)

FAQs zur Ausbildungsprämie

Häufig gestellte Fragen (166,1 KB)

Ansprechpartner

Der Arbeitgeber-Service der Bundesagentur für Arbeit steht Ihnen telefonisch und per E-Mail für Fragen zur Verfügung.

Arbeitgeber-Service

Ausbildungsprämien beantragen

Einzelheiten zu Fördermöglichkeiten und Voraussetzungen des Förderprogramms finden Sie auf der Webseite der Bundesagentur für Arbeit. Bitte nutzen Sie ausschließlich die dort hinterlegten Antragsformulare. Zusätzlich benötigen Sie eine „Bescheinigung der zuständigen Stelle“ für den Ausbildungsberuf. Diese Bescheinigung erhalten Sie als Mitgliedsbetrieb von der Handwerkskammer Lübeck. Bitte senden Sie dafür das ausgefüllte Formular an folgenden Email-Adresse: Ausbildungsplaetze-sichern(at)hwk-luebeck.de. Alternativ können Sie das Formular auch auf dem Postweg an uns senden: Handwerkskammer Lübeck, Abt. Lehrlingsrolle, Breite Straße 10/12, 23552 Lübeck. Sie erhalten dann umgehend die Bescheinigung, die Sie bei der Agentur für Arbeit einreichen müssen.

Corona-Überbrückungshilfe

Die Überbrückungshilfe ist Teil des Konjunkturpakets der Bundesregierung von Juni 2020. Für das Programm wurden 25 Milliarden Euro bereitgestellt. Nachdem die Überbrückungshilfe ursprünglich auf den Förderzeitraum Juni bis August 2020 beschränkt war, wurde sie inzwischen auf die Monate September bis Dezember 2020 ausgeweitet sowie die Zugangskriterien etwas gelockert.

Zielgruppe und Zweck

Die Überbrückungshilfe richtet sich an von der Corona-Krise betroffene Betriebe mit bis zu 249 Mitarbeitern und maximal 50 Millionen Euro Umsatz beziehungsweise einer Bilanzsumme von 43 Millionen Euro, die aufgrund erheblicher Umsatzeinbrüche ihre Fixkosten nicht aufbringen können. Auch Soloselbständige sind antragsberechtigt. Gefördert werden laufende Fixkosten wie zum Beispiel Mieten, Pachten, Zinsaufwendungen, Grundsteuern oder Ausgaben für Elektrizität, Wasser, Heizung, Reinigung und Hygienemaßnahmen.

Voraussetzungen und Förderhöhe

Phase 1 der Überbrückungshilfe (Förderzeitraum Juni bis August 2020)

Fördervoraussetzung ist, dass die Betriebe im April und Mai 2020 zusammengenommen einen Umsatzeinbruch um mindestens 60 Prozent gegenüber den entsprechenden Vorjahresmonaten erlitten haben. Betriebe können für die Monate Juni bis August maximal 150.000 Euro erhalten. Betriebe mit bis zu fünf Beschäftigten bekommen höchstens 9.000 Euro, Betriebe mit bis zu zehn Beschäftigten höchstens 15.000 Euro. Die Zuschusshöhe ist abhängig vom Umsatzrückgang. Bei einem Umsatzrückgang im Bewilligungsmonat von mindestens 40 Prozent zahlt der Bund bis zu 40 Prozent der monatlichen Fixkosten. Bei Umsatzeinbußen von mehr als 50 Prozent aber weniger als 70 Prozent gibt es 50 Prozent der fixen Betriebskosten vom Staat. Bei Umsatzeinbußen von mehr als 70 Prozent werden 80 Prozent der fixen Betriebskosten vom Staat erstattet.

Wichtig: Anträge für die 1. Phase der Überbrückungshilfe müssen spätestens bis zum 30. September 2020 gestellt werden. Es ist nicht möglich, nach dem 30. September 2020 rückwirkend einen Antrag für die 1. Phase zu stellen.

Phase 2 der Überbrückungshilfe (Förderzeitraum September bis Dezember 2020)

Fördervoraussetzung ist, dass die Betriebe einen Umsatzeinbruch von mindestens 50 Prozent in zwei zusammenhängenden Monaten im Zeitraum April bis August 2020 gegenüber den jeweiligen Vorjahresmonaten oder einen Umsatzeinbruch von mindestens 30 Prozent im Durchschnitt in den Monaten April bis August 2020 gegenüber dem Vorjahreszeitraum verzeichnet haben. Je nach Höhe der Fixkosten können Betriebe bis zu 200.000 Euro an Förderung bekommen. Die genaue Zuschusshöhe ist weiterhin abhängig vom Umsatzrückgang. Bei einem Umsatzrückgang im Bewilligungsmonat von mindestens 30 Prozent zahlt der Bund bis zu 40 Prozent der monatlichen Fixkosten. Bei Umsatzeinbußen von mindestens 40 Prozent aber weniger als 70 Prozent sind es 60 Prozent der Fixkosten. Bei Umsatzeinbrüchen von mehr als 70 Prozent werden 90 Prozent der fixen Betriebskosten vom Staat erstattet.

Antragstellung

Die Überbrückungshilfe kann nur über Steuerberater, Wirtschafts- und Buchprüfer beantragt werden. Betroffenen Betrieben ist daher zu empfehlen, sich hierzu rasch mit ihren Steuerberatern in Verbindung zu setzen oder einen Steuerberater zu suchen. Um den als Fördervoraussetzung definierten Umsatzrückgang glaubhaft zu machen und eine Prognose der betrieblichen Fixkosten abgeben zu können, ist eine gute Vorbereitung und ein rechtzeitiges Beratungsgespräch sehr wichtig. Die Antragstellung im Rahmen der 2. Phase der Überbrückungshilfe wird voraussichtlich ab Mitte Oktober möglich sein.

Härtefallfonds Schleswig-Holstein

Die Landesregierung Schleswig-Holstein hat einen Härtefallfonds für Betriebe aufgelegt, die bis Ende 2020 durch die Corona-Krise weiterhin Liquiditätsengpässe aufgrund hoher Umsatzausfälle haben, aber die Kriterien für die Beantragung der Überbrückungshilfe-Zuschüsse nicht erfüllen. Voraussetzung für die Inanspruchnahme des Härtefallfonds ist, dass in den Monaten Juli bis Dezember 2020 gegenüber dem Vorjahreszeitraum ein Umsatzrückgang von mind. 50 Prozent zu erwarten ist. Aus dem Härtefallfonds werden Darlehen und stille Beteiligungen mit einem Volumen von 100.000 bis 750.000 Euro vergeben (keine Zuschüsse!). Der Härtefallfonds eignet sich somit nur für Betriebe mit entsprechend hohem Liquiditätsbedarf.

Kreditvergabemöglichkeiten und zusätzliche KFW-Sonderprogramme

Der Bund hat die bestehenden Instrumente zur Flankierung des Kreditangebots der Geschäftsbanken und Sparkassen ausgeweitet und für mehr Unternehmen verfügbar gemacht. Zwei Punkte sind für das Handwerk besonders wichtig.

Bürgschaftsbank Schleswig-Holstein

Die Kreditvergabemöglichkeiten der Bürgschaftsbanken - also auch der Bürgschaftsbank Schleswig-Holstein - werden deutlich ausgeweitet: Der Bürgschaftshöchstbetrag wird auf 2,5 Millionen Euro verdoppelt. Die Obergrenze von 35 Prozent Betriebsmitteln am Gesamtobligo der Bürgschaftsbanken wird auf 50 Prozent erhöht. Um die Liquiditätsbereitstellung zu beschleunigen, eröffnet der Bund die Möglichkeit, dass die Bürgschaftsbanken Bürgschaftsentscheidungen bis zu einem Betrag von 250.000 Euro eigenständig und innerhalb von drei Tagen treffen können.

Die Bürgschaftsbank Schleswig-Holstein bietet in diesem Zusammenhang bis zum 31. Dezember 2020 das Programm BB Express an. Damit können unter anderem Liquiditätskredite bis 300.000 Euro gegenüber der Hausbank mit 80 Prozent Verbürgung abgesichert werden.

KFW-Schnellkredit für den Mittelstand

Für Unternehmen, die krisenbedingt vorrübergehend in ernsthaftere Finanzierungsschwierigkeiten geraten sind und daher nicht ohne weiteres Zugang zu den bestehenden Förderprogrammen haben, stehen Sonderprogramme bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) zur Verfügung.

Als Kernelement hat die Bundesregierung den KfW-Schnellkredit für den Mittelstand beschlossen. Dieser Kredit steht mittelständischen Unternehmen mit mehr als zehn Beschäftigten zur Verfügung, die mindestens seit dem 1. Januar 2019 am Markt aktiv gewesen sind. Das Kreditvolumen pro Unternehmen beträgt bis zu drei Monatsumsätzen des Jahres 2019: maximal 800.000 Euro für Unternehmen mit einer Beschäftigtenzahl von über 50 Mitarbeitern und maximal 500.000 Euro für Unternehmen mit einer Beschäftigtenzahl von bis zu 50. Das Unternehmen darf zum 31. Dezember 2019 nicht in Schwierigkeiten gewesen sein und muss zu diesem Zeitpunkt geordnete wirtschaftliche Verhältnisse aufweisen. Der Zinssatz beträgt aktuell drei Prozent, die Laufzeit zehn Jahre. Die Bank erhält eine Haftungsfreistellung in Höhe von 100 Prozent durch die KfW - abgesichert durch eine Garantie des Bundes. Die Kreditbewilligung erfolgt ohne weitere Kreditrisikoprüfung durch die Bank oder die KfW. Hierdurch kann der Kredit zügig bewilligt werden.

Weitere Infos

KfW-Corona-Hilfe

Wichtig: Kontakt zur Hausbank

Betriebe, die von den Auswirkungen des Coronavirus betroffen sind, sollten sich zunächst an ihre Hausbank wenden (soweit vorhanden). So kann sichergestellt werden, dass ergänzend zu den derzeit auf den Weg gebrachten staatlichen Soforthilfen die bestmöglichen Finanzierungs- und Förderinstrumente genutzt werden. Sparkassen, Volks- und Raiffeisenbanken sowie private Banken haben erklärt, dass sie in der aktuellen Krise an der Seite ihrer Kunden stehen. Vor dem Hintergrund der Corona-Situation ändern die Institute derzeit vielfach ihre Öffnungszeiten und veröffentlichen aktuelle Hinweise dazu, wie sie für ihre Kunden telefonisch oder online erreichbar sind. Behalten Sie daher bitte die Webseite Ihrer Bank oder Sparkasse im Blick.

Hilfen bei Arbeitsausfällen

Das Coronavirus kann durch Lieferengpässe oder Schutzmaßnahmen kurzfristig erhebliche Arbeitsausfälle verursachen. Wie Handwerksbetriebe und Beschäftigte damit umgehen können, erfahren sie auf dieser Seite.

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Steuern und Sozialabgaben: Entlastungsmaßnahmen aus dem Konjunkturpaket vom 3. Juni 2020

Senkung der Umsatzsteuer: Handlungsbedarf für Betriebe

Die Bundesregierung hat im Rahmen ihres Corona-Konjunkturpakets eine befristete Senkung der Umsatzsteuersätze für das 2. Halbjahr 2020 beschlossen. Der Umsatzsteuerregelsatz soll von 19 Prozent auf 16 Prozent abgesenkt werden, der ermäßigte Umsatzsteuersatz von 7 Prozent auf 5 Prozent. Die Änderungen treten zum 1. Juli 2020 in Kraft und gelten bis zum 31. Dezember 2020. Ziel dieser Maßnahme ist, die Kaufkraft der Bürgerinnen und Bürger zu stärken und dadurch die Wirtschaft zu beleben.

Die vorgesehene Absenkung betrifft alle Handwerksbetriebe. Sie hat unter anderem Auswirkungen auf Angebote, Verträge, Gutscheine und Anzahlungen. Zur Orientierung für Handwerksbetriebe hat der Zentralverband des deutschen Handwerks (ZDH) ein Merkblatt erstellt: Darin können Betriebe nachlesen, auf welche Leistungen die neuen Umsatzsteuersätze anzuwenden sind und was bei der Abgabe von Angeboten, dem Abschluss von Verträgen sowie bei Anzahlungen und Gutscheinen bereits jetzt beachtet werden sollte.

In der Praxis werden sich durch die Umsatzsteuersenkung zahlreiche Detailfragen ergeben, etwa bei notwendigen Softwareanpassungen und Kassenumstellungen. Die Handwerkskammer empfiehlt allen Betrieben, sich rechtzeitig mit ihrem Softwareanbieter zu besprechen und ergänzend an den zuständigen Steuerberater zu wenden. Das Bundesfinanzministerium hat zum Thema Anwendungsschreiben für die Finanzbehörden veröffentlicht und weist darauf hin, dass sich Betriebe für Auskünfte zu Einzelfragen auch an ihr zuständiges Finanzamt wenden können.

Ausweitung der Abschreibungsmöglichkeiten

Unternehmen erhalten für die Steuerjahre 2020 und 2021 befristet verbesserte Abschreibungsmöglichkeiten für bewegliche Wirtschaftsgüter wie beispielsweise Maschinen. Als steuerlicher Investitionsanreiz wird eine degressive Abschreibung für Abnutzung (AfA) mit dem Faktor 2,5 gegenüber der derzeit geltenden AfA und maximal 25 Prozent pro Jahr für bewegliche Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens in den Steuerjahren 2020 und 2021 eingeführt.

Erweiterte Möglichkeiten zur steuerlichen Verlustverrechnung

Die Möglichkeiten, Verluste steuerlich mit Gewinnen des Vorjahres zu verrechnen, werden ausgeweitet. Der steuerliche Verlustrücktrag wird für 2020 und 2021 auf maximal fünf Millionen Euro (bzw. zehn Millionen Euro bei Zusammenveranlagung) erweitert. Außerdem wird die Möglichkeit geschaffen, den Rücktrag schon in der Steuererklärung für 2019 nutzbar zu machen, zum Beispiel über die Bildung einer steuerlichen Corona-Rücklage. Die Auflösung dieser Rücklage erfolgt spätestens bis zum Ende des Jahres 2020.

Deckelung der Sozialversicherungsbeiträge bis Ende 2021

Mit der „Sozialgarantie 2021“ werden die Sozialversicherungsbeiträge bis 2021 bei maximal 40 Prozent stabilisiert. Darüber hinausgehende Finanzbedarfe der Sozialversicherungen werden aus dem Bundeshaushalt gedeckt.

Steuerliche Liquiditätshilfe für Unternehmen

Um die Liquidität bei Unternehmen zu verbessern, werden die Möglichkeiten zur Stundung von Steuerzahlungen, zur Senkung von Vorauszahlungen und im Bereich der Vollstreckung verbessert.

Die Landesregierung ermöglicht zinslose Steuerstundungen für betroffene Unternehmen. Unmittelbar und erheblich betroffene Steuerpflichtige können bis zum 31. Dezember 2020 unter Darlegung ihrer Verhältnisse Anträge auf Stundung der bis zu diesem Zeitpunkt bereits fälligen oder fällig werdenden Steuern, sowie Anträge auf Anpassung der Vorauszahlungen auf die Einkommen- Körperschaftsteuer stellen. Erleichterungen werden beim Nachweis der durch die Auswirkungen des Coronavirus geänderten Situation gewährt.
 

Laufzeit von gewährten Stundungen und mögliche Anschlussstundungen prüfen

Das Bundesfinanzministerium hat klargestellt, dass Stundungen ohne Angaben einer beantragten Stundungsdauer zunächst für einen Zeitraum von drei Monaten gewährt werden. Davon ausgehend, dass die „ersten“ durch die Finanzverwaltung gewährten Stundungen im Laufe des Aprils ausgesprochen wurden, ist damit zu rechnen, dass die Laufzeiten dieser Stundungen kurz vor der Beendigung stehen und damit die Steueransprüche fällig werden. Betroffene Handwerksbetriebe sollten dies zusammen mit ihrem Steuerberater prüfen und gegebenenfalls die Möglichkeit eines Antrags auf Anschlussstundung nutzen. Im Rahmen eines möglichen Antrages sind die aktuellen wirtschaftlichen Verhältnisse und damit die weiter bestehende unmittelbare Betroffenheit von der Corona-Pandemie darzulegen. Die Angaben zu möglichen Zahlungsmodalitäten sollten sinnvollerweise den Antrag ergänzen.

Ansprechpartner

Aufgrund der Vielzahl an möglichen Einzelmaßnahmen empfehlen wir Ihnen, sich ergänzend an Ihren Steuerberater zu wenden.

FAQs zu steuerlichen Liquiditätshilfen

An wen ist der Stundungs- oder Erlassantrag zu richten?

Das kommt auf die Steuer an. So ist beispielswiese ein Stundungsantrag betreffend der Einkommen- oder Körperschaftsteuer an das örtlich zuständige Finanzamt zu richten. Dagegen sind für die Stundung oder den Erlass der Gewerbesteuer in Schleswig-Holstein die Gemeinden zuständig.

Wie ist der Antrag auf Steuerstundung zu stellen?

Der Antrag auf Steuerstundung wird formlos gestellt.

Sind auch Stundungen für nach dem 31. Dezember 2020 fällige Steuern möglich?

Ja, aber sie müssen besonders begründet werden. Die Nachweiserleichterungen gelten nur für bis zum 31. Dezember 2020 gestellte Anträge.

Wie erreiche ich das Finanzamt?

Die Finanzämter sind für den Publikumsverkehr geschlossen. Bürgerinnen und Bürger können ihre steuerlichen Angelegenheiten dennoch weiterhin klären: Die Finanzämter sind zu den gewohnten Zeiten per Telefon, Fax oder Brief zu erreichen.


Kontaktdaten der Finanzämter

Werden Vollstreckungsmaßnahmen für Betroffene ausgesetzt?

Ja. Von Vollstreckungsmaßnahmen bei unmittelbar und erheblich betroffenen Steuerpflichtigen soll bis zum 31. Dezember 2020 bei allen rückständigen oder bis zu diesem Zeitpunkt fällig werdenden Steuern, die unter Punkt 1 genannt sind, abgesehen werden.

Weitere FAQs zu steuerlichen Maßnahmen

FAQs vom Bundesfinanzministerium (221,4 KB)

Matrix zur Liquiditätssicherung

Übersicht zu steuerlichen Maßnahmen (159,4 KB)

„Corona-Dokumentation“ für spätere steuerliche Betriebsprüfungen

In Zeiten der Corona-Pandemie werden Betriebe mit zahlreichen behördlichen Auflagen konfrontiert, die sich auf den Betriebsablauf und die Möglichkeiten der Einnahmenerzielung auswirken. Wird die Buchführung in einigen Jahren im Rahmen einer steuerlichen Betriebsprüfung auf ihre Ordnungsmäßigkeit überprüft, könnte es zu vermehrten Rückfragen der Finanzbehörden zu den Auswirkungen der staatlichen Corona-Bestimmungen kommen. Daher kommt der Nachvollziehbarkeit der Aufzeichnungen gerade in Corona-Zeiten eine besondere Bedeutung zu. Der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) hat hierzu ein Muster für eine gesonderte „Corona-Dokumentation“ erstellt.

ZDH-Praxistipp

Corona-Dokumentation

Stundung von Sozialversicherungsbeiträgen

Stundung von Sozialversicherungsbeiträgen

Grundsätzlich können Betriebe bei ihren Einzugsstellen (gesetzlichen Krankenkassen) die Stundung der Sozialversicherungsbeiträge unter Hinweis auf Liquiditätsengpässe durch die Coronakrise beantragen. Allerdings müssen Unterstützungs- und Hilfsmaßnahmen der von Bund und Ländern bereitgestellten Rettungsschirme – z.B. Zuschüsse, Förderkredite oder Steuerstundungen – vorrangig in Anspruch genommen werden. Anträge zur Stundung von Sozialversicherungsbeiträgen müssen an alle Krankenkassen gerichtet werden, bei denen die Mitarbeiter versichert sind. Sind Beschäftigte bei verschiedenen Krankenkassen versichert, muss der Stundungsantrag bei jeder Krankenkasse separat gestellt werden.

Weitere Infos

GKV-Spitzenverband

Unfallversicherung

Der Spitzenverband der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) weist darauf hin, dass Unfallversicherungsträger ebenfalls Beitragserleichterungen anbieten. Ein Antrag auf Stundung von Unfallversicherungsbeiträgen ist bei der jeweiligen Berufsgenossenschaft zu stellen.

Handwerkerrentenversicherung – Beiträge können bis 31. Oktober 2020 ausgesetzt werden

Selbständige, die in der gesetzlichen Rentenversicherung versicherungspflichtig sind (in der Regel über die Handwerkerrentenversicherung) und durch die Corona-Krise in finanzielle Schwierigkeiten geraten, können auf Antrag ihre Beitragszahlung bis 31. Oktober 2020 aussetzen. Hierauf weist die Deutsche Rentenversicherung hin. Betroffene können sich unter Hinweis auf die Corona-Pandemie formlos an ihren Rentenversicherungsträger wenden und eine Aussetzung der laufenden Beitragszahlung beantragen.