KI generiert: Ein Arbeiter in einem technischen Umfeld misst ein großes Metallbauteil.

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Handwerkskonjunktur: Saisonale Verbesserung, aber keine grundlegende Erholung

Lübeck/Flensburg, 8. Juli 2026 – Die Geschäftslage des schleswig-holsteinischen Handwerks hat sich im zweiten Quartal 2026 im Vergleich zu den krisenhaften Monaten Januar bis März leicht verbessert, liegt aber deutlich unter dem Niveau der Jahre 2024 und 2025.

In der Konjunkturumfrage der Handwerkskammern Flensburg und Lübeck für die Monate April bis Juni 2026 meldeten 41 Prozent der Betriebe eine gute, 45 Prozent eine befriedigende und 14 Prozent eine schlechte Geschäftslage. Damit lag der Anteil der Betriebe mit guter Geschäftslage um sieben Prozentpunkte höher als im ersten Quartal 2026. Dieses war geprägt vom langen Winter, der viele Bauvorhaben zum Stillstand gebracht hatte, sowie vom massiven Energiepreisanstieg infolge des Nahost-Krieges. Die Aufwärtstendenz bedeutet allerdings keine Rückkehr zur besseren Vorjahreskonjunktur – im zweiten Quartal 2025 hatte schließlich noch fast jeder zweite Handwerksbetrieb von einer guten Geschäftslage berichtet.

„Nach dem langen Winter ist die Bautätigkeit wieder angesprungen. Insbesondere in den Betrieben des Bauhauptgewerbes und des Ausbauhandwerks ist daher eine saisonale Verbesserung sichtbar“, sagt Ralf Stamer, Präsident der Handwerkskammer Schleswig-Holstein. Dies sei aber kein Indiz für eine grundlegende Erholung im Handwerk. Vielmehr bleibt das gesamtwirtschaftliche Umfeld schwierig. So berichtete immer noch fast jeder dritte Handwerksbetrieb von rückläufigen Umsätzen und gesunkenen Auftragsbeständen. „Sorgen bereiten uns vor allem die seit Februar massiv gestiegenen Preise für Energie, Materialien und Vorprodukte, die derzeit viele Handwerkskundinnen und -kunden von einer Auftragsvergabe abhalten“, so Stamer.

Zugleich zeigt die Konjunkturumfrage, dass die Handwerksbetriebe noch keine Verbesserungen bei den politisch bedingten Kostenfaktoren spüren. Das lohnintensive Handwerk leidet unverändert unter den hohen Sozialversicherungsbeiträgen, die Betriebe und Beschäftigte gleichermaßen belasten. Aber auch der steigende Bürokratieaufwand beansprucht in den Betrieben immer mehr Ressourcen, die somit nicht für die Erfüllung von Kundenaufträgen eingesetzt werden können.

„Wir begrüßen deshalb, dass die Bundesregierung Anfang Juli ein Gesamtpaket für wachstumsfördernde Reformen in Deutschland beschlossen hat“, erklärt Stamer. Das Reformpaket geht in die richtige Richtung und schafft Planungssicherheit für die Betriebe, auch wenn es nicht alle Erwartungen des Handwerks erfüllt.

Zudem stellen die bereits angestoßenen Maßnahmen zur Gesundheitsreform sowie die Vorschläge der Rentenkommission, deren weitgehende Umsetzung die Bundesregierung angekündigt hat, den seit Langem überfälligen Einstieg in einen nachhaltigen und generationengerechten Umbau der Sozialversicherungen dar. Sie führen allerdings auf mittlere Sicht noch nicht zu einer spürbaren Entlastung von Handwerk und Mittelstand.

„Wir erwarten, dass die Bundesregierung ihren jetzt eingeschlagenen Reformkurs konsequent fortsetzt“, betont Stamer. „Die Politik muss jetzt schnell vom Ankündigungs- in den Umsetzungsmodus kommen. Die Geduld der Betriebe ist ausgereizt.“