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Handwerkskonjunktur stabil – Wirtschaftspolitik aber zu zögerlich

Lübeck/Flensburg, 8. Januar 2026 – Die aktuelle Konjunkturumfrage der Handwerkskammer Schleswig-Holstein für das vierte Quartal 2025 zeigt: Das Handwerk im nördlichsten Bundesland bleibt trotz schwieriger gesamtwirtschaftlicher Rahmenbedingungen solide aufgestellt. 47 Prozent der Betriebe bewerten ihre Geschäftslage als gut, 38 Prozent als befriedigend und 15 Prozent als schlecht. Damit setzt sich der Trend der vergangenen zwei Jahre fort, in denen die Lageeinschätzungen nur geringfügig schwankten.

„Die Handwerkskonjunktur ist weiterhin stabil“, sagt Ralf Stamer, Präsident der Handwerkskammer Schleswig-Holstein. Die meisten Betriebe verfügen über eine auskömmliche Auftragslage. Doch gleichzeitig setzt die chronisch schwache gesamtwirtschaftliche Entwicklung klare Wachstumsgrenzen für das Handwerk. „Von der Wirtschaftspolitik gehen bislang kaum belebende Wirkungen aus. Die Bundesregierung ist mit zahlreichen Ankündigungen gestartet, hat bislang aber zu wenig davon umgesetzt. In zentralen Fragen arbeitet die Koalition eher gegeneinander als miteinander und erinnert damit immer mehr an die Vorgängerregierung“, so Stamer weiter.

Besonderen Handlungsbedarf sieht Stamer bei der Belebung des Wirtschaftswachstums: „2026 müssen endlich die Wachstumsimpulse gesetzt werden, die bisher aufgeschoben wurden. Das sind vor allem eine Begrenzung der Lohnnebenkosten durch Strukturreformen der Sozialversicherungen und ein im gesamten Mittelstand spürbarer Bürokratieabbau. Auch die im Koalitionsvertrag versprochene und bislang nicht eingelöste Senkung der Stromsteuer für alle Branchen muss jetzt kommen.“

Die stabile durchschnittliche Geschäftslage im Gesamthandwerk überdeckt allerdings erhebliche Herausforderungen in einzelnen Teilbranchen. Handwerkliche Zulieferer der Industrie spüren die anhaltenden Schwierigkeiten in wichtigen Schlüsselbereichen der deutschen Wirtschaft besonders deutlich. Im Bauhauptgewerbe leiden vor allem auf den Neubausektor spezialisierte Betriebe unter der Flaute im Wohnungsbau. Außerdem macht vielen von Privatkunden abhängigen Handwerksbetrieben die inflationsbedingte Konsumzurückhaltung zu schaffen.

Insgesamt berichtet ein Drittel der Betriebe in Schleswig-Holstein von sinkenden Auftragsbeständen und mehr als ein Viertel meldet rückläufige Umsätze. Vor diesem Hintergrund blickt das Handwerk vorsichtig ins erste Quartal 2026: 55 Prozent der Betriebe erwarten eine gleichbleibende Geschäftsentwicklung, 15 Prozent rechnen mit einer Verbesserung, während 30 Prozent von einer Verschlechterung ausgehen. Der Anteil der skeptischen Stimmen hat sich damit im Vergleich zum Vorquartal deutlich erhöht.