KI generiert: Ein Arbeiter in einem technischen Umfeld misst ein großes Metallbauteil.

Foto: www.amh-online.de

Kontakt

Anja Schomakers Abteilungsleiterin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Telefon 0451 1506-191 Telefax 0451 1506-180 aschomakers@hwk-luebeck.de

Konjunktur: Zaghafte Aufwärtsbewegung im Sommer – Zukunftssorgen bleiben

Lübeck/Flensburg, 7. Oktober 2026 – Im schleswig-holsteinischen Handwerk hat sich der bereits im Frühjahr sichtbare, verhaltene Aufwärtstrend im dritten Quartal 2026 fortgesetzt. Das zeigt die aktuelle Konjunkturumfrage der Handwerkskammern Flensburg und Lübeck. Demnach bewerten 44 Prozent der befragten Betriebe ihre aktuelle Geschäftslage als gut, 43 Prozent als befriedigend und 13 Prozent als schlecht. Gegenüber dem Vorquartal stieg der Anteil der Betriebe mit guter Geschäftslage um drei Prozentpunkte. 

Von einem stabilen Aufschwung kann aus Sicht des Handwerks jedoch nicht gesprochen werden. Die Erwartungen für das kommende Quartal bleiben zurückhaltend: 15 Prozent der Betriebe rechnen mit einer besseren Geschäftsentwicklung, 60 Prozent erwarten eine gleichbleibende Lage, 25 Prozent gehen von einer Verschlechterung aus.

„Die aktuelle Geschäftslage ist besser als noch vor einigen Monaten, aber sie ist nur eine Momentaufnahme. Viele Handwerksbetriebe stehen unter erheblichem Kostendruck“, sagt Ralf Stamer, Präsident der Handwerkskammer Schleswig-Holstein. Die Umfrageergebnisse zu wichtigen betriebswirtschaftlichen Indikatoren verdeutlichen dies: 31 Prozent der Betriebe melden gesunkene Auftragsbestände, 28 Prozent rückläufige Umsätze und 36 Prozent geringere Investitionen. Die hohen Energiepreise sowie steigende Kosten für Vorprodukte, Materialien und Baustoffe treffen nahezu alle Bereiche des Handwerks. Auch die Kaufzurückhaltung privater Haushalte wirkt sich spürbar auf viele Gewerke aus. Gestiegene Lebenshaltungskosten führen dazu, dass Ausgaben für handwerkliche Leistungen immer häufiger verschoben oder gestrichen werden.

Im Wohnungsbau steigen zwar die Genehmigungszahlen wieder langsam an, doch hohe Bau- und Finanzierungskosten verhindern bislang ein breiteres Anspringen der Bautätigkeit. Das Infrastruktur-Sondervermögen des Bundes kommt bisher nur vereinzelt im Handwerk an – vor allem dort, wo Betriebe schwerpunktmäßig im öffentlichen Hoch- und Tiefbau tätig sind. Der Großteil des Handwerks spürt bisher jedoch keine Impulse dieser massiv gestiegenen Staatsausgaben.

Vor diesem Hintergrund benötigt das Handwerk verlässliche wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen und konkrete Entlastungen. Kernpunkte sind niedrigere Lohnzusatzkosten, weniger Bürokratie, wettbewerbsfähige Energiepreise und die konsequente Umsetzung angekündigter Reformen. So beobachtet das Handwerk mit Sorge, dass politische Zusagen oft zu langsam oder nicht konsequent umgesetzt werden. Beispiele sind der 2025 angekündigte breite Bürokratieabbau, die fehlende Entlastung wichtiger Teile des Handwerks bei der Stromsteuer oder die Reform des Sonntagsbackverbots. Gerade solche Vorhaben haben für viele Betriebe eine hohe praktische Bedeutung.

„Die Handwerksbetriebe erwarten einen deutlicheren politischen Rückenwind“, betont Ralf Stamer. „Die Bundesregierung muss jetzt zeigen, dass sie Vereinbarungen verlässlich umsetzt und damit die notwendige Planungssicherheit für die Wirtschaft sowie für deren Kundinnen und Kunden schafft.“