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Vollversammlung: Handwerk bleibt stabile Ausbildungsadresse

Lübeck, 12. Mai 2026 – Trotz angespannter konjunktureller Lage investiert das Handwerk in der Region weiter in die Ausbildung. Bereits mehr als 1.100 neue Lehrverträge für das im August beginnende Ausbildungsjahr seien unterschrieben, berichtet Kammerpräsident Ralf Stamer während der Frühjahrssitzung der Handwerkskammer Lübeck am 12. Mai 2026.

Die Zwischenbilanz der bislang abgeschlossenen Ausbildungsverträge zeigt ein positives Bild: 1.123 neue Lehrverträge waren bis Ende April bei der Handwerkskammer eingegangen, 101 mehr als zum gleichen Zeitpunkt im Vorjahr. „Das ist ein positives Signal und es ist den Ausbildungsbetrieben hoch anzurechnen, dass sie trotz multipler Krisen, wirtschaftlicher Belastungen und ausbleibender struktureller Reformen bei der Ausbildung am Ball bleiben“, so Ralf Stamer, Präsident der Handwerkskammer Lübeck. Ebenso erfreulich sei die Zwischenbilanz des Freiwilligen Handwerksjahres (FHJ). Das bundesweite Pilotprojekt, das die Handwerkskammer Lübeck vor rund zwei Jahren gestartet hatte, ermöglicht Jugendlichen, sich ein Jahr lang in vier Handwerksberufen auszuprobieren. Fast 100 junge Menschen haben bisher ein Freiwilliges Handwerksjahr begonnen. Stamer: „Das Interesse an dem Projekt und die durchweg positiven Rückmeldungen bestätigen uns in unserem Engagement, jungen Menschen mit innovativen Angeboten den Weg ins Handwerk zu ebnen.“

Sorgen bereitet dem Handwerk im Kammerbezirk die anhaltend schlechte konjunkturelle Lage. Nur noch jeder dritte Betrieb bewertete seine Geschäftslage im ersten Quartal des Jahres als gut (Vorjahr: 43 Prozent), 17 Prozent sprechen von einer schlechten Lage. Umsatzrückgänge beklagt fast die Hälfte der Betriebe, auch der Anteil der Betriebe, die sinkende Auftragsbestände verzeichnen, ist in den Monaten Januar bis März weiter angestiegen. Vor der Vollversammlung bekräftigte Stamer nochmals die Forderung des Handwerks an die Bundesregierung, endlich klare politische Signale für Wachstum, Wettbewerbsfähigkeit und Zukunftssicherheit zu liefern.

Vor dem Hintergrund der im Frühjahr 2027 anstehenden Landtagswahl beschäftigte sich die Vollversammlung außerdem mit Forderungen des regionalen Handwerks an die Landespolitik. Eines der ganz zentralen Anliegen ist eine ausreichende Förderung der überbetrieblichen Ausbildung in Bildungsstätten des Handwerks. Sie stellt sicher, dass alle Auszubildenden nach ihrem Abschluss über ein einheitliches Praxiswissen verfügen, unabhängig von der Größe oder der Spezialisierung ihres Ausbildungsbetriebes. Ralf Stamer: „Die überbetriebliche Lehrlingsunterweisung ist ein unverzichtbarer Baustein zur Sicherung der handwerklichen Wissensbasis und kommt auch der Gesamtgesellschaft zugute.“ Für die Zukunftsfähigkeit des Handwerkes sei es entscheidend, dass das Land sich der hohen Bedeutung der überbetrieblichen Ausbildung bewusst ist und die Förderung langfristig sichert, so Stamer weiter.

Zum Hintergrund: Die Kosten der überbetrieblichen Lehrlingsunterweisung werden zu jeweils einem Drittel von den Betrieben, vom Bund und vom Land getragen. In Schleswig-Holstein kommen die Mittel dafür bisher überwiegend aus dem Europäischen Sozialfonds. Da die Europäische Kommission ihre strukturpolitischen Instrumente völlig neu ausrichten wird, befürchtet das Handwerk, dass diese Finanzierungsquelle ab 2028 nicht mehr zur Verfügung steht. Die schleswig-holsteinischen Handwerksorganisationen stehen bereits in einem intensiven Austausch mit der Landespolitik, damit nicht in naher Zukunft ein wichtiger Teil der Gesamtfinanzierung der überbetrieblichen Lehrlingsunterweisung wegfällt.