Gehackte Rechnungen – verlorenes Geld 

Fake-Rechnungen als wachsende Bedrohung

Das Handwerk steht zunehmend im Fokus von Cyberkriminellen. Während sich die öffentliche Aufmerksamkeit häufig auf Angriffe gegen Großkonzerne richtet, zeigen aktuelle Schadensfälle: Gerade kleine und mittlere Betriebe sind attraktive Ziele – insbesondere bei sogenannten Fake-Rechnungen.

Täuschend echt und professionell vorbereitet

Die Betrugsmasche wirkt simpel, ist aber hochprofessionell organisiert. Kriminelle versenden Rechnungen, die angeblich von bekannten Lieferanten oder Geschäftspartnern stammen. Layout, Logo, Sprachstil – alles wirkt authentisch. Häufig sind die Täter zuvor in E-Mail-Konten eingedrungen oder haben Kommunikationsabläufe über Wochen beobachtet.
In anderen Fällen genügt eine scheinbar harmlose Mitteilung: „Unsere Bankverbindung hat sich geändert.“ Wird die Änderung ungeprüft übernommen, landet die nächste Überweisung direkt auf dem Konto der Betrüger.
Aber auch richtige Rechnungen wurden schon abgefangen, die Kontodaten geändert und wieder auf den Weg geschickt.

Warum gerade Handwerksbetriebe betroffen sind

Handwerksunternehmen arbeiten eng mit festen Lieferketten, Stammkunden und Subunternehmen zusammen. Rechnungsprozesse sind oft routiniert und wiederkehrend. Genau diese Strukturen machen Betriebe anfällig.
Hinzu kommt: In kleineren Unternehmen fehlen häufig getrennte Zuständigkeiten oder verbindliche Freigabeprozesse. Rechnungen werden im laufenden Tagesgeschäft geprüft und bezahlt – unter Zeitdruck und mit hoher Arbeitsbelastung.
Für Täter bedeutet das: geringe Kontrolle bei gleichzeitig planbaren Zahlungsströmen.

Die Schäden können existenzbedrohend sein

Geht eine fünfstellige Summe aufgrund einer manipulierten Rechnung auf ein betrügerisches Konto, bleibt oft wenig Zeit zum Reagieren. Die Gelder werden innerhalb kürzester Frist weitertransferiert. Eine Rückholung ist kompliziert und nur in Ausnahmefällen erfolgreich.
Für kleine Betriebe kann ein solcher Verlust die Liquidität erheblich belasten – im Extremfall mit existenziellen Folgen.

Prävention ist Verantwortung

IT-Sicherheit ist längst kein reines Technikthema mehr, sondern Teil der unternehmerischen Sorgfaltspflicht. Experten empfehlen klare organisatorische Maßnahmen:

  • Überprüfung von Kontodaten-Änderungen ausschließlich über bekannte Kontaktwege
    (die IBAN sollte genau unter die Lupe genommen werden, da hier eine kleine Änderung oft nicht auffällt)
  • Einführung eines Vier-Augen-Prinzips bei höheren Zahlungsbeträgen
  • Sensibilisierung der Mitarbeitenden für verdächtige E-Mails
  • Einsatz von Zwei-Faktor-Authentifizierung und professioneller IT-Absicherung

Cybercrime ist kein Randphänomen. Das Handwerk ist Teil der digitalen Wirtschaft – und damit automatisch Teil des Risikofeldes. Wer Prozesse strukturiert absichert, reduziert nicht nur die Gefahr finanzieller Schäden, sondern stärkt auch die betriebliche Resilienz.
Die Sensibilisierung aller mit der Zahlung von Rechnungen betrauter Mitarbeitenden ist essentiell. Denn am Ende löst dieser die Überweisung aus.

Wolfram Kroker Beratungsstelle für Innovation und Technologie (BIT), Digitalisierung Telefon 0451 38887-727 Mobil 0159 04390525 wkroker@hwk-luebeck.de