Existenzrisiko Schwangerschaft
Handwerk fordert besseren Schutz bei Schwangerschaft
Selbstständige Handwerkerinnen stehen im Falle einer Schwangerschaft oft vor einer existenziellen Herausforderung. Ein neuer Vorschlag des Westdeutschen Handwerkskammertages (WHKT) setzt hier an – doch die politische Umsetzung verzögert sich.
Für selbstständige Frauen im Handwerk ist die Zeit um die Geburt eines Kindes mit hohen wirtschaftlichen Risiken verbunden. Im Gegensatz zu angestellten Beschäftigten gibt es keinen automatischen Anspruch auf Mutterschaftsgeldbedingungen oder Mutterschutzlohn.
Die Folgen sind konkret:
- Finanzielle Belastung: Die Überbrückung von Schwangerschaft und Geburt muss weitgehend eigenverantwortlich finanziert werden. Eine Krankentagegeldversicherung sichert zwar die Person, aber nicht den Fortbestand des Betriebs.
- Eingeschränkte Arbeitsfähigkeit: Besonders in körperlich belastenden Berufen (z. B. durch Staub, Lärm oder langes Stehen) sind Tätigkeiten während der Schwangerschaft oft nicht mehr möglich.
- Gefahr für die Betriebsnachfolge: Wenn die wirtschaftliche Existenz durch eine Schwangerschaft unkalkulierbar wird, schreckt dies junge Frauen von der Selbstständigkeit ab. Dies gefährdet langfristig die Ausbildungschancen und Nachfolgen im gesamten Handwerkszweig.
Ein Lösungsansatz: Das WHKT-Konzept
Um diese strukturelle Benachteiligung zu beheben, liegt seit kurzem ein Konzept vor, das auf einer Machbarkeitsstudie des Westdeutschen Handwerkskammertags basiert. Im Zentrum stehen zwei Bausteine zur finanziellen Absicherung:
- Einkommensersatzleistung: Eine pauschale Leistung in Höhe von 5.000 Euro während der Mutterschutzfrist (bei Bedarf bereits in der Schwangerschaft auszahlbar).
- Aufstockung & Betriebsunterstützung: Die Möglichkeit, die Leistung auf 100 Prozent des bisherigen Einkommens aufzustocken oder finanzielle Unterstützung zu beantragen, um beispielsweise eine Vertretung zur Fortführung des Betriebs zu finanzieren.
Die Finanzierung könnte entweder über eine Umlagefinanzierung (Beiträge aller Selbstständigen) oder aus Steuermitteln erfolgen.

Modell für einen flexiblen Mutterschutz für Selbstständige – Vorschlag des Westdeutschen Handwerkskammertags
Foto: vgl. Westdeutscher Handwerkskammertag
Politischer Stand: Umsetzung steht noch aus
Obwohl die Einführung eines vergleichbaren Mutterschutzes für Selbstständige bereits im Koalitionsvertrag der Bundesregierung als Auftrag verankert wurde, zeichnet sich eine Verzögerung ab. Aktuell befindet sich ein Gesetzentwurf zur Reform in der internen Abstimmung innerhalb der Bundesregierung.
Die Interessenvertretung arbeitet jedoch weiter an Lösungen, um den politischen Druck zu erhöhren und die notwendige Veränderung herbeizuführen.