Positionspapier HWK Schleswig-Holstein
Statt Azubiwerk lieber direkte Unterstützung
Die Landespolitik in Schleswig-Holstein plant die Gründung eines zentralen Azubiwerks nach dem Vorbild der Studentenwerke. Ziel ist es, Auszubildende bei den Themen Wohnen, Mobilität und Finanzen zu unterstützen. Die Handwerkskammer Schleswig-Holstein teilt das Ziel, die Belastungen für junge Menschen zu senken, lehnen jedoch die geplante zentralisierte Struktur entschieden ab.
Warum eine zentrale Lösung nicht funktioniert
Die Handwerkskammer Schleswig-Holstein argumentiert, dass das Modell der Studentenwerke, was ideal für dicht gedrängte Campus-Strukturen in größeren Städten wie Hamburg, München oder Berlin funktioniert, nicht auf ein Flächenland wie Schleswig-Holstein übertragbar ist. Gründe dafür sind unter anderem:
Im Gegensatz zu Studierenden, die sich auf einem Campus konzentrieren, sind Auszubildende über das ganze Land verteilt. Betrieb, Berufsschule und überbetriebliche Lehrlingsunterweisung (ÜLU) liegen oft weit auseinander.
Beratungsangebote für Auszubildende existieren bereits durch die Handwerkskammern, Innungen und andere Partner. Ein neues Azubiwerk würde lediglich teure Parallelstrukturen schaffen.
Die jährlichen Fördermittel (geplant sind ca. 7 Mio. Euro) sollten nicht in neue Verwaltung, IT oder Management fließen, sondern direkt bei den Auszubildenden und Betrieben ankommen.
Was die Auszubildenden wirklich brauchen
Eine Befragung der Handwerkskammern zeigt die tatsächlichen Engpässe auf: Während die Wege zum Betrieb meist unproblematisch sind, stellt die Mobilität zu Berufsschulen und ÜLU-Standorten eine große Herausforderung dar. Die Auszubildenden wünschen sich keine neuen Beratungsstellen, sondern konkrete Entlastungen:
- Miet- und Fahrtkostenzuschüsse.
- Verlässliche ÖPNV-Anbindungen (z. B. ein Azubi-Deutschlandticket).
- Bezahlbaren Wohnraum in der Nähe von Schulstandorten.
Der Alternativvorschlag: Ein dezentrales Maßnahmenpaket
Statt eines zentralen Amtes schlägt die Handwerkskammer Schleswig-Holstein eine regionale, betriebsnahe Unterstützung vor:
Ausbau von Miet- und Fahrtkostenzuschüssen, abhängig von der regionalen Belastung.
Nutzung bestehender Programme für „junges Wohnen“, um dezentrale Projekte und die Sanierung von Internaten oder Wohnheimplätzen an Berufsschulstandorten zu unterstützen.
Handwerksbetriebe sollen aktiv unterstützt werden, wenn sie sich im Bereich Wohnraum (z. B. durch Anmietung oder Bereitstellung von Azubiwohnungen) engagieren.
Bestehende Beratungsangebote der Kammern und Partner müssen sichtbarer gemacht und besser vernetzt werden, statt neue Institutionen zu gründen.
Wir sagen Ja, zur Unterstützung unserer Auszubildenden, aber Nein, zum Aufbau eines zentralen Azubiwerks. Die beste Hilfe ist die, die dezentral, regional verwurzelt und direkt bei den Betrieben und Auszubildenden ankommt.
Weitere Informationen
Download pdf Positionspapier zum Azubiwerk der Handwerkskammer Schleswig-Holstein (154,89 KB)

Michael Saß Wirtschaftspolitischer Referent Telefon 0451 1506-210 msass@hwk-luebeck.de